Manchmal gleiten Konflikte zwischen Unternehmen ins Persönliche ab – das jüngste Beispiel liefert ein aufsehenerregender Fall aus Göttingen. Sycor, ein Dienstleister im IT-Sektor, sah sich in den letzten Jahren gezwungen, ehemalige Führungskräfte und Gründer der späteren Arineo GmbH vor Gericht zu ziehen. Der Hauptvorwurf: Die Abspaltung sei nicht mit rechten Dingen zugegangen, vielmehr hätten Mitarbeiter und Kunden systematisch und mit fragwürdigen Methoden abgeworben werden sollen. Die Schadenssumme? Das Gericht schätzte: satta 30 Millionen Euro. Am Ende wurde, nach zahllosen Verhandlungstagen und wohl auch Nerven am Rande der Belastungsgrenze, ein Kompromiss gefunden: Arineo & Co. zahlen 5 Millionen Euro – und, fast wichtiger für die verletzte Unternehmensehre, sie entschuldigen sich eindeutig für ihr Verhalten.
Der Vergleich deckt nun sämtliche wechselseitigen Streitpunkte ab. Jeder klopft sich den Staub ab, nimmt seine Anwaltsrechnungen mit nach Hause: die Gerichtskosten werden geteilt, die Extras zahlt jeder selbst. Die Sycor-Geschäftsführung klingt in ihrer Stellungnahme leicht zwiegespalten – man hätte sich nach eigenem Empfinden gerne mehr "Wiedergutmachung" gewünscht. Doch der Drang, endlich einen Schlussstrich zu ziehen, überwog. Immerhin, nun kann sich das Unternehmen wieder auf das Kerngeschäft fokussieren, Innovationen vorantreiben und vielleicht im nächsten Jahr wieder positiv in die Schlagzeilen kommen.
Ein kleiner Seitenblick: Solche Fälle sind in der IT-Branche nicht eben selten, zumal wenn Know-how und personalintensive Dienstleistungen im Spiel sind. Vieles bleibt dabei außerhalb großer Öffentlichkeit, dieser Fall aber dürfte anderen zeigen, dass sich Hartnäckigkeit und Integrität bisweilen auszahlen – auch wenn die Kompromisse nicht immer süß schmecken.
Im Kern ging es um den ausgeprägten Vorwurf, dass ehemalige Sycor-Geschäftsführer die Neugründung der Arineo GmbH sowie ihre österreichische Entsprechung mit Methoden umgesetzt hätten, die dem Wettbewerbsrecht widersprechen – Mitarbeiter und Kunden seien gezielt und unlauter abgeworben worden. Nach europaweiter Prozessführung kam es nun zu einer Einigung: Die Arineo-Seite übernimmt eine Zahlung in Höhe von fünf Millionen Euro und spricht ausdrücklich eine Entschuldigung aus. Laut aktuellen Medienrecherchen werden damit alle juristischen Streitigkeiten zwischen den Parteien beigelegt, und die Sycor-Geschäftsführung will sich mit diesem Kompromiss nach eigenem Bekunden endgültig der Weiterentwicklung ihres Serviceportfolios widmen.
Der Fall illustriert auch, dass der Konkurrenzdruck und das Ringen um begehrte Fachkräfte die deutschen und österreichischen IT-Mittelständler nicht weniger beeinflussen als die Großen der Branche. Im Zuge der Berichterstattung zeigen sich viele Unternehmen und Arbeitnehmer erstaunlich sensibel gegenüber Themen wie Unternehmensloyalität, Know-how-Abfluss und Fairness am Markt. In manchen Branchen – gerade im IT-Bereich – werden vergleichbare Fälle meist intern gelöst, doch das Ausmaß und die öffentliche Entschuldigung machen diesen Fall zu einer Art Präzedenz für faires Unternehmertum.