Die Stimmung im Westdeutschen Rundfunk ist gereizt – und das ist noch vorsichtig formuliert. Die Gewerkschaft VRFF zeigt sich enttäuscht, ja geradezu genervt über die aus ihrer Sicht unverschämten Angebote der WDR-Chefetage. Nach der letzten, ergebnislosen Gesprächsrunde Ende April gibt es weiterhin keinerlei spürbare Bewegung: 2026 soll es laut Chefetage eine Nullrunde geben, erst ab 2027 steht eine Mini-Erhöhung von 1% jährlich im Raum – sofern die geplante Rundfunkbeitragserhöhung überhaupt durchgewinkt wird, dann wären magere 2% p.a. denkbar. Wer die Inflation und steigende Preise kennt, weiß, wie wenig das am Ende bleibt.
Matthias Kopatz von der VRFF hält da nicht hinterm Berg: Sogar die KEF, auf die sich der WDR so gerne beruft, räumt höhere Personalkostensteigerungen ein. Trotzdem will der WDR sich anscheinend durch eine Art Sparregime hangeln, das „Digitalisierung“ und „Neustrukturierung“ großschreibt, beim Personal aber den Rotstift zückt. Die VRFF wirft ein, dass Geld in teure Immobilien und einmalige Sanierungen steckt – und den Beschäftigten mehr Zumutungen aufbürdet.
Ein weiteres Zeichen: Das Programm soll beinahe halbiert werden, zahlreiche Formate fliegen raus. Da fragt sich nicht nur die Belegschaft: Wo bleibt da ein fairer Ausgleich, wo das Signal von Wertschätzung? Die Gewerkschaft fordert jedenfalls nachdrücklich: Schluss mit der Austerität beim Personal. Am 8. Juni wird gestreikt, von den ersten Morgenstunden an, mit einer Kundgebung am Mausdenkmal vor dem WDR-Gebäude. Ob die anstehende, offene Verhandlungsrunde am 9. Juni endlich ein greifbares Angebot bringt? Die Hoffnung ist gedämpft. Aber die Streikbereitschaft steht – das ist so sicher wie das nächste Gehalt, das vermutlich nicht steigt.
Die Tarifauseinandersetzung zwischen dem WDR und der Mediengewerkschaft VRFF spitzt sich weiter zu – insbesondere wegen der als ungenügend empfundenen Lohnerhöhungsangebote, die weit hinter den Inflationsprognosen und sogar hinter den Empfehlungen der KEF zurückbleiben. Die VRFF kritisiert zudem, dass in anderen Bereichen wie Immobilien und Digitalprojekte weiterhin großzügig Geld ausgegeben wird, während beim Personal eisern gespart werde. Das steckt auch hinter der Entscheidung, das WDR-Programm massiv zusammenzustreichen – ein zusätzlicher Reibungspunkt, der das Verhältnis zwischen Belegschaft und Führungsebene weiter belastet. Recherchen zeigen, dass die aktuellen Arbeitskämpfe beim WDR Teil einer breiteren Entwicklung sind, denn auch in anderen öffentlich-rechtlichen Sendern des Landes brodelt es: Anhaltende Inflation und stagnierende Löhne sorgen überall in der Branche für Unruhe. In Interviews der letzten Tage fordern Beschäftigte neben finanzieller Sicherheit vor allem auch Respekt und Planungssicherheit seitens der Geschäftsleitung. Gleichzeitig stehen auch die Kosten- und Reformdebatten um den öffentlich-rechtlichen Rundfunk durch die aktuelle KEF-Berichterstattung weiter im Zentrum – trotz oder gerade wegen der offensichten Einsparungsmaßnahmen beim Programm.