Es klingt fast ein wenig ratlos, was Kaiser da äußert. 'Warum stoppt man einen Plan, der längst auf den Weg gebracht wurde?', fragt sie öffentlich. Sie fordert, diese Richtungsentscheidung nochmals zu prüfen. Für sie ist klar: Kulturelle Infrastruktur wie die Nationalbibliothek in Leipzig – die ja immerhin eine tragende Rolle bei der Bewahrung unserer literarischen Identität spielt – sollte nicht leichtfertig aufs Spiel gesetzt werden. Denn: Medien zu sammeln, Wissen zugänglich zu machen und offene Debatten zu ermöglichen, das alles ist in ihren Augen weit mehr als ein Verwaltungsakt.
Ganz ehrlich, wer die Leipziger Buchstadt kennt, weiß vielleicht, was auf dem Spiel steht. Kaiser sagt es selbst: Gerade in Zeiten, in denen der Wert von Literatur beinahe im Strudel des politischen Alltags verschüttet wird, gelte es, Orte wie die DNB als Schatztruhen unseres kollektiven Gedächtnisses sichtbar zu halten. Die Bibliothek trägt zur Demokratie bei – das klingt groß, aber ist eben nicht nur ein Feigenblatt, sondern eine der Grundbedingungen für Diskurs und Vielfalt.
Interessant am Rande: Die DNB mit ihren Standorten in Frankfurt und Leipzig ist eine Art Superarchiv für alles, was in deutscher Sprache publiziert wird. Jeder, der in Deutschland publiziert – egal ob Buch oder Website – muss ein Pflichtexemplar abliefern. Die schiere Menge macht schwindelig: Tag für Tag rollen über 13.000 Medienwerke ins Magazin. Dass die Lager voll sind, wundert also kaum.
Der Plan: Ein neuer, moderner Bau für 35,5 Millionen (!) Werke, dazu bessere Bedingungen für lagernde Kulturgüter – den Altbestand fit für die Zukunft machen. Doch jetzt heißt es, es fehle an Mitteln. Weimer verweist auf klamme Kassen und alternative Lösungen. Die DNB rechnet allerdings auch für die Ausweichvarianten schon mit neuen Kosten. Tja.
Die verstärkte Diskussion um den Stopp des Erweiterungsbaus in Leipzig spiegelt eine tieferliegende Unsicherheit im Umgang mit kulturellem Erbe wider, besonders bei der Frage nach der langfristigen Sicherung und Sichtbarkeit ostdeutscher Standorte. Während Regierungsvertreter wie Weimer den Sparkurs mit der Haushaltslage rechtfertigen, weisen Stimmen aus dem bibliothekarischen und literarischen Umfeld darauf hin, dass solche Kürzungen nachhaltige Folgen für Bildung und Demokratie haben könnten. Darüber hinaus ist der 'Altbau' der DNB baulich tatsächlich bereits grenzwertig ausgelastet; eine nachhaltige Lösung bleibt also dringend notwendig – die kulturelle und gesellschaftliche Bedeutung der DNB reicht weit über reine Lagerlogistik hinaus. Im Netz kursieren Berichte, die das Signal darin sehen, wie ringen um Wertschätzung und Zukunft der Buchstadt Leipzig wieder Fahrt aufnimmt. Zusätzliche Recherche zeigte, dass es in der Medienlandschaft eine breite Debatte um den Stellenwert und die Zukunft von Kulturinstitutionen in Zeiten wirtschaftlicher Unwägbarkeiten gibt. Die Leipziger Volkszeitung berichtet zudem, dass verschiedene Verbände und Akteure aus Ostdeutschland den Stopp als fatales Signal empfinden, das Misstrauen zwischen Ost und West vertiefe.