SPD stellt Forderungen für Arbeitnehmer ins Rampenlicht bei Arbeitszeit-Debatte

Inmitten der kontroversen Diskussion um neue Arbeitszeitregelungen pocht die SPD darauf, die Lebensrealitäten der Beschäftigten endlich ernst zu nehmen – im Fokus: mehr Mitspracherecht beim eigenen Zeitmanagement.

heute 17:39 Uhr | 2 mal gelesen

Wenn Diskussionen über Arbeitszeit aufflammen, dominieren oft die immer gleichen Argumente: Produktivität versus Erholung, Flexibilität gegen Schutz. Jan Dieren von der SPD bringt jetzt frischen Wind – naja, vielleicht eher einen entschlossenen Gegenentwurf – in die Debatte: Mehr Spielraum für Arbeitnehmer beim Festlegen ihrer Arbeitszeiten soll kommen, aber bitte mit Bedacht und Rücksicht auf Vereinbarkeit von Job, Familie und Ehrenamt. Es klingt fast zu schön, doch Dieren betont, dass überstürztes Umschmeißen der Regeln niemandem diene. Kritisch beäugt er die Vorstellungen etwa von CDU-Mann Spahn, der auf rasche Abschaffung des Acht-Stunden-Tages schielt. Laut Dieren dürfen europaweit klar geregelte Ruhezeiten nicht ausgehöhlt werden; alles andere verlässt den Boden bisheriger Kompromisse. Explizit warnt er davor, dass ohne Schutzzonen die Belegschaften plötzlich 13-Stunden-Tage stemmen müssten – eine Horrorvorstellung, der sich nicht nur Gewerkschaften entgegenstellen. Interessant: Die AfD hält alles für ausreichend flexibel wie es ist – der eigentliche Knackpunkt liege in einer Wirtschaftspolitik, die kaum mehr wachse und eher durch Energiepreise und Bürokratie ausgebremst werde. Die Grünen wiederum sehen Chancen auf mehr Spielraum, wollen aber keinen Rückfall in die Ära endloser Arbeitstage. Fraktionsvize Audretsch sagt: Flexibilität ja, aber nicht auf Kosten der Gesundheit. Seine Idee: Leute sollten leichter zwischen Voll- und Teilzeit wechseln können, je nachdem, ob sie gerade mehr Mutter oder mehr Manager gleichzeitig sein müssen. Richtig scharf wird’s bei der Linken: Chefin Reichinnek nennt den Vorstoß zur Abschaffung des Acht-Stunden-Tags dreist und prognostiziert, dass letztlich Schutzrechte geopfert werden. Die Angst geht um, dass Flexibilisierung nur ein anderes Wort für weniger Mitsprache ist. Und als wollte sie es auf die Spitze treiben, gibt’s eine regelrechte Abrechnung mit Spahn: Entweder weiß er nicht, was 13 Stunden Maloche bedeuten – oder es ist ihm eben herzlich egal. Klare Kante, viele offene Fragen.

Die Debatte um die Reform des Arbeitszeitgesetzes in Deutschland verläuft zunehmend emotional: Während die SPD zugunsten einer besseren Vereinbarkeit von Familie und Beruf mehr Selbstbestimmung für Beschäftigte fordert, pochen Grüne und Linke auf den Erhalt des Acht-Stunden-Tags und Gesundheitsstandards. Die CDU und Wirtschaftsverbände drängen auf flexiblere Lösungen; die AfD sieht keinen Änderungsbedarf und verweist auf andere Problemfelder. Zuletzt titelt die Süddeutsche, dass auch viele Unternehmen gemischte Gefühle zur Flexibilisierung hegen – und Gewerkschaften warnen vor Überlastung und erhöhter Unfallgefahr. Neue Entwicklungen: Laut www.dw.com werden europaweit ähnliche Diskussionen geführt, was auf eine EU-weite Reform und Harmonisierung der Arbeitszeitregelungen hindeutet. In der www.zeit.de wird besonders auf die psychischen Folgen langer Arbeitszeiten sowie das Recht auf Nichterreichbarkeit eingegangen, was die Debatte um Selbstbestimmung weiter anheizt. Branchen wie Gastronomie oder Pflege mahnen indes an, dass noch mehr Flexibilität für viele Angestellte wenig mit Freiheit zu tun hat – es gehe oft schlicht ums Überleben auf dem Arbeitsmarkt.

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