Wie ernst das Thema Wehrdienst wieder geworden ist, merkt man schon an der Rhetorik des Verteidigungsministers. Pistorius sagte es klar (und irgendwie fast schon beruhigend) – niemand müsse eine Demütigung bei der Musterung befürchten. Der Ablauf soll fair und menschlich sein, die Mediziner entscheiden, welche Tests überhaupt notwendig sind. Gerade Untersuchungen im Intimbereich, die viele ältere Männer noch mit Unbehagen erinnern, stehen nicht mehr stellvertretend für den neuen Umgang. Pistorius nutzte die Gelegenheit außerdem, um auf die Kritik der evangelischen Kirche am Slogan „Mach, was wirklich zählt“ einzugehen. Seiner Meinung nach sei der Appell gerechtfertigt: Junge Menschen werden gebraucht, zum Schutz der Freiheit – das könne bei der Bundeswehr oder auch im zivilen Bereich sein. Sicherheit sei die Grundlage für alles andere. Doch entscheidend bleibt, so Pistorius: Es herrsche kein Zwang. Wer partout nicht zur Bundeswehr will, müsse auch nicht gehen. Im Gegenteil: Er kenne viele, die freiwillig bereit seien, für die Freiheit und Sicherheit ihrer Gesellschaft einen Beitrag zu leisten, direkt nach der Schulzeit. Vielleicht sind es weniger als die Regierung hofft, vielleicht mehr – aber jedenfalls wird daran gearbeitet, die Schwellen niedrig zu halten und Respekt zu bewahren.
Verteidigungsminister Boris Pistorius will ein neues Kapitel bei den Musterungen aufschlagen: Strikte Einhaltung von Würde und Respekt stehen im Vordergrund, Untersuchungen finden ausschließlich nach medizinischer Notwendigkeit statt. Die Diskussion über Wehrpflicht ist wieder aktuell, insbesondere vor dem Hintergrund der sicherheitspolitischen Veränderungen in Europa und wachsender Sorgen um die Landesverteidigung. Berichte aus anderen Quellen zeichnen ein Bild davon, wie die Gesellschaft auf den Umbruch reagiert – die Akzeptanz ist durchmischt: Viele junge Menschen sind laut Umfragen tatsächlich bereit, einen Dienst zu leisten, sei es militärisch oder zivil, andere aber erleben bereits jetzt Angst vor möglichem Zwang. Kurios am Rande: In den politischen Debatten schwingt immer noch viel Misstrauen mit, ob das Thema Musterung wirklich endgültig entstigmatisiert werden kann, denn selbstverständlich bleiben die Erinnerungen an frühere Zeiten ein Störgeräusch.