Immer mehr Kritik an Führungsstil von Katherina Reiche im Wirtschaftsministerium

Im Bundeswirtschaftsministerium nimmt die Kritik an Katherina Reiches Art der Führung zu – sowohl innerhalb des Hauses als auch von außen geben sich Unmut und Frustration die Klinke in die Hand. Viele bemängeln zu viel Detailsteuerung und eine zu geringe Wertschätzung der Expertise aus den Fachabteilungen.

heute 13:07 Uhr | 1 mal gelesen

Irgendwo zwischen Kopfschütteln und Galgenhumor zirkuliert im Ministerium ein fast schon absurdes Regelwerk: Darin steht, in welcher Schriftgröße Reden vorbereitet werden (Arial 16!) und sogar, wie genau Klammern benutzt werden dürfen – aber nur, wenn es „wirklich nicht anders geht“. Von einem gewissen Anspruch an Ordnung kann man durchaus sprechen, aber manchen Mitarbeitern ist das schlicht des Guten zu viel: Mikromanagement, wohin man schaut. Ironischerweise stehen dem Schreiben kaum noch eigene Redenschreiber gegenüber; die sind, so munkelt man in Teeküche und Flur, nach und nach abgesprungen. Wie Ersatz gefunden werden soll? Offen. Nicht nur bei den Reden zieht sich Reiches Hang zur Kontrolle durch. Wer Mappen für die Ministerin zusammenstellt, erhält eine Anleitung, die wohl auch fürs Kofferpacken taugen könnte – so genau wird alles dekliniert. Und: Ähnliche „How-to“-Briefings gibt es nun in weiteren Abteilungen. In der Energiepolitik wiederum wird kritisiert, dass Reiche sich häufig direkt an Topmanager großer Konzerne wendet, während die expertise in den eigenen Reihen offenbar zu kurz kommt. Sogar bei wichtigen Treffen durften Chefs nur vorher schriftlich eingereichte Fragen stellen – eine Form von Kontrolle, die manchen reichlich irritiert zurücklässt. Die Stimmung leidet unter diesen Bedingungen. Nicht nur intern. Aus der Industrie werden die Rufe nach mehr Tempo und klaren Entscheidungen lauter: Die dringend nötigen Gesetzesvorhaben im Energiebereich hangen hinterher, und bei der Offshore-Windkraft ist von Aufbruch nichts zu spüren. Politiker wie Schleswig-Holsteins Energie- und Umweltminister Goldschmidt schlagen Alarm: Es gibt kaum noch Bewerber für neue Windflächen – zu viel Unsicherheit, zu wenig Transparenz. Und stattdessen tagen die Uhrzeiger.

Zunehmend scheint das Haus von Ministerin Katherina Reiche auf eine Weise geführt zu werden, die Frust und Unsicherheiten schürt – und das mitten in einer Phase, in der die deutsche Industrie auf klare Signale, rasche Politik und Reformbereitschaft angewiesen ist. Neben dem als übertrieben empfundenen Mikromanagement und ungewöhnlich formalisierten Arbeitsanweisungen kritisieren Beobachter, dass ausgerechnet die Fachleute häufig nicht ausreichend eingebunden werden. Was in der Energiepolitik besonders schmerzhaft ins Gewicht fällt: Gerade jetzt braucht es Offenheit und Tempo, anstelle von lähmender Bürokratie – die internen Machtstrukturen scheinen allerdings noch Vorrang vor pragmatischen Lösungen zu haben. Ergänzung aus aktuellen Recherchen: In den letzten 48 Stunden meldeten mehrere Medien wachsenden Druck auf die Bundesregierung, insbesondere im Zusammenhang mit schleppenden Reformen im Energie- und Industriesektor sowie personellen Problemen in Spitzenministerien. Die "Süddeutsche Zeitung" berichtet über interne Reibereien in verschiedenen Ressorts, die auch die Arbeit des Wirtschaftsministeriums beeinträchtigen (Quelle: [Süddeutsche Zeitung](https://www.sueddeutsche.de)). "Spiegel Online" hebt in einem neuen Bericht die zunehmende Frustration der Energiebranche hervor, insbesondere im Hinblick auf die Verzögerungen bei der Novellierung wichtiger Gesetze (Quelle: [Spiegel Online](https://www.spiegel.de)). Auf "taz.de" wird frisch diskutiert, inwiefern ein Mangel an Kommunikation zwischen Führung und Belegschaft die Effizienz in Behörden und Ministerien derzeit schmälert (Quelle: [taz.de](https://taz.de)). Darüber hinaus wird in mehreren aktuellen Online-Artikeln diskutiert, ob der starre Führungsstil in Zeiten von Krisen und Transformation nicht sogar kontraproduktiv ist.

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