Laschet: Debatte um europäischen Atomschutzschirm kommt zur Unzeit

Armin Laschet, Chef des Auswärtigen Ausschusses im Bundestag, winkt beim Thema eigenständiger europäischer Atomschutzschirm fürs Erste ab – aus seiner Sicht sei solch eine Debatte aktuell schlichtweg zu früh.

heute 14:36 Uhr | 2 mal gelesen

Wenn es um nukleare Verteidigung in Europa geht, denkt man meist an Frankreich und Großbritannien. Beide verfügen über Atomwaffen – doch jeder kocht sein eigenes Süppchen. Ob sie überhaupt willens wären, ihre atomaren Schutzschirme mit anderen EU-Staaten zu teilen? Laschet bleibt da erst mal skeptisch: 'Über alles kann man grundsätzlich nachdenken, aber jetzt ist das Ganze kein Thema.' Kürzlich lud Frankreich zu Gesprächen über eine mögliche Einbindung Deutschlands unter den französischen Nuklearschirm ein. Für Laschet ist Reden grundsätzlich wichtig, klar, gerade wenn es um den französischen Präsidenten geht. Aber eine Beteiligung an so etwas Komplexem wirft jede Menge Fragen auf. Wer darf da eigentlich entscheiden? Wer trägt die astronomischen Kosten? Und wie läuft so ein komplizierter Sicherheitsapparat organisatorisch überhaupt ab? Laschet mahnt zur Vorsicht: Bloß keine vorschnellen Entscheidungen – erst mal abwarten, wie und ob sich solche Ideen weiterentwickeln.

Laschet sieht den Zeitpunkt für eine Debatte um einen europäischen Atomschutzschirm als nicht gegeben an. Während Frankreich und Großbritannien als Atommächte eigene Pläne verfolgen, wäre eine gemeinsame Strategie mit erheblichen finanziellen und politischen Herausforderungen verbunden. Die aktuelle Sicherheitslage mit Russlands Angriff auf die Ukraine und die Ungewissheit über den künftigen Kurs der USA verstärkt zwar das Bedürfnis nach europäischer Eigenständigkeit, doch konkrete Modelle – etwa eine stärkere Einbindung in die französischen Nuklearkapazitäten – stoßen in Deutschland auf innenpolitische und gesellschaftliche Vorbehalte. In Deutschland wird weiterhin kontrovers diskutiert, ob und wie man sich an atomaren Verteidigungsstrukturen beteiligt; aus dem französischen Élysée-Palast gibt es Signale der Offenheit, doch Berlin zögert. Zusätzlich hat NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg erst jüngst eine Debatte über die Modernisierung der nuklearen Abschreckung der Allianz angestoßen, um die Partnerschaft handlungsfähiger und resilienter zu machen. Insgesamt bleibt der Weg zu einer europäischen Atommacht mit geteilten Entscheidungsstrukturen steinig und politisch hochsensibel.

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