„Meiner Einschätzung nach stehen wir noch lange nicht am Ende,“ meint Efraim Halevy nüchtern. Die Beziehung zwischen dem derzeitigen US-Präsidenten und Israels Premier sei außergewöhnlich eng, fast wie ein symbolischer Schulterschluss unter Verbündeten. Friktionen hält er daher momentan für wenig wahrscheinlich – allerdings könnte sich Israel, zur Not, auch ohne Washingtons Beistand behaupten.
Mehr noch: Für Halevy liegt die Hoffnung nicht im schnellen Hammer militärischer Gewalt, sondern im viel langsameren, oft zähen politischen Wandel. Es gehe – so seine Überzeugung – weniger um Tagespolitik als um das Wechselspiel der Mächte im Nahen Osten über Jahrzehnte hinweg. Früher, erinnert er, verband Israel und Iran eine enge Partnerschaft – eine paradoxe Geschichte, wenn man sich die heutigen Schlagzeilen anschaut.
Damals, als der Schah noch das Zepter schwang, hätte sich niemand vorstellen können, wie tief das Misstrauen zwischen beiden Nationen später werden sollte. „Wir waren einst Teil eines sicherheitspolitischen Dreiecks zusammen mit der Türkei“, fügt Halevy an, fast ein wenig nostalgisch. Aus dieser Zeit stamme auch vieles, was dem Mossad in späteren Operationen gegen die Islamische Republik geholfen habe – geheime Kanäle, Beziehungen, die über Jahrzehnte hielten.
Der Einfluss der USA bleibt für Halevy unbestritten: ‚Mit Trump verschiebt sich das politische Gewicht weiter Richtung Nahost.‘ Sollte Amerika im Iran einmal politischen Boden gewinnen, entstünde eine neue Dynamik zwischen den alten Rivalen Israel und Iran, die die geopolitische Balance in der Region grundlegend verändern könnte.
Zwischenbemerkung: Halevy war Mossad-Chef von 1998 bis 2002 und hatte sich unter anderem davor maßgeblich am israelisch-jordanischen Friedensvertrag beteiligt.
Halevys skeptischer Blick auf einen militärischen Sieg gegen Iran spiegelt eine größere Bewegung: Viele Experten und ehemalige Offizielle warnen aktuell davor, die komplexen Verflechtungen im Nahen Osten durch kurzfristige Gewalt lösen zu wollen. Tatsächlich gab es zuletzt in israelischen, amerikanischen und europäischen Medien vermehrt Stimmen, die eine neue diplomatische Initiative oder zumindest informelle Kontakte zwischen Israel und Iran unterstützen, auch weil die Sicherheitslage für die Zivilbevölkerung in beiden Ländern weiter angespannt bleibt. Hinzu kommt ein wachsendes US-Engagement im Nahen Osten – strategisch motiviert durch Ressourceninteressen, aber auch durch die Rivalität mit Russland und China, wie zahlreiche aktuelle Analysen und Hintergrundberichte etwa von der Süddeutschen, Zeit und FAZ hervorgehoben haben.