Krisen haben ihre ganz eigene Energie – und wenn es nach der zuletzt eilig einberufenen IEA-Vollversammlung geht, soll dieses Mal wortwörtlich wieder Öl ins Getriebe der Weltwirtschaft gegossen werden. Gründe für die Maßnahme? Mehr gab es vermutlich selten: Der eskalierende Konflikt im Nahen Osten, insbesondere zwischen den westlichen Alliierten und dem Iran, hat den Ölmarkt fast über Nacht aus dem Gleichgewicht gebracht. Laut Fatih Birol, dem Chef der IEA, sei die Lage in ihrer Zuspitzung einmalig – und genauso müsse auch die Antwort ausfallen. Ein Paukenschlag, der sich sehen lassen kann: In Summe werden nun 400 Millionen Barrel aus staatlichen Notbeständen freigegeben. Das entlastet nicht nur die Preise, sondern soll auch ein wenig Unsicherheit aus dem Markt nehmen. Und – ein Gedanke, den manch einer öffentlich auszusprechen vermeidet – Zuversicht signalisieren. Die Straße von Hormus, Nadelöhr der globalen Ölschifffahrt, ist derzeit fast unpassierbar. Man spricht von einem Rückgang des Öl-Exports auf gerade noch ein Zehntel der Menge, die sonst üblich war. Alternative Routen? Eher Mangelware. Würde man versuchen, alle 20 Millionen Fass pro Tag zu ersetzen – ambitioniert wäre untertrieben. Die Staaten der IEA können es sich trotzdem leisten: Auf der hohen Kante liegen noch mehr als 1,2 Milliarden Barrel in Reserve, dazu gesellen sich rund 600 Millionen Barrel strategisch gehorteter Industrieölmengen. All das – ein Mechanismus, der bereits sechsmal seit der Gründung der IEA 1974 zum Einsatz kam; zu Krisenzeiten wie 1991, 2005, 2011 sowie in Doppel-Ausgaben im Jahr 2022. Ob diesmal wirklich alles nach Plan läuft? Es bleibt spannend, und eines ist sicher: So sektorübergreifend angespannt war der Ölmarkt lange nicht mehr.
Die Freigabe der größten strategischen Ölreserve in der Geschichte der IEA ist eine direkte Reaktion auf die außerordentlichen Lieferengpässe, die der militärische Konflikt rund um die Straße von Hormus ausgelöst hat. Experten diskutieren, ob diese Maßnahme mittelfristig die gewünschten preisdämpfenden Effekte haben wird – denn die globale Nachfrage bleibt hoch, während die Umgehung alternativer Versandwege für Öl weiterhin schwierig ist. In jüngsten Berichten mehrerer Leitmedien wird außerdem darauf hingewiesen, dass die Länder der OPEC+ ihr Verhalten noch anpassen könnten, um vom aktuellen Marktchaos zu profitieren oder aber zu stabilisieren. Die staatlichen Ölreserven gelten als letzter Notgroschen, weswegen zukünftige politische und ökonomische Entwicklungen weitere Auslöser für zusätzliche Interventionen sein könnten. Zusätzlich liegen aktuelle Recherchen und Indikatoren nahe, dass China und Indien mangels Alternativen ihre Importe aus anderen Krisenregionen riskant ausweiten könnten.