„Das Deutsche Volk“: Neuer 3sat-Dokumentarfilm beleuchtet Hanauer Anschlag und den Kampf der Hinterbliebenen

Mainz – Im Februar 2020 geschah in Hanau ein unfassbares Verbrechen: Ein rechtsextremer Täter erschoss neun junge Menschen aus rassistischen Motiven. Über vier Jahre hat Filmemacher Marcin Wierzchowski die Familien der Opfer und Überlebenden auf ihrem Weg durch Trauer, Wut und die Forderung nach Gerechtigkeit begleitet. Passend zum Internationalen Tag gegen Rassismus wird der Film „Das Deutsche Volk“ ab 18. März 2026 in der 3satMediathek und zur Primetime im TV ausgestrahlt.

heute 17:47 Uhr | 3 mal gelesen

19. Februar 2020 – ein Tag, der sich für viele Menschen in Deutschland eingebrannt hat. Mitten in Hanau tötet ein Mann aus rassistischen Gründen in Shisha-Bars und einem Kiosk neun Menschen, allesamt jung, voll Leben: Gökhan Gültekin, Ferhat Unvar, Fatih Saraçoğlu, Vili Viorel Păun, Sedat Gürbüz, Hamza Kurtović, Mercedes Kierpacz, Said Nesar Hashemi und Kaloyan Velkov. Wierzchowskis Dokumentarfilm setzt genau da an: Nah dran, ohne Distanz und mit lauten sowie leisen Momenten. Die Kamera scheut sich nicht davor, die Sprachlosigkeit und Trauer sichtbar zu machen, aber auch die Wut und die Entschlossenheit der Angehörigen, die nicht einfach Opfer sein wollen. Im Mittelpunkt stehen nicht der Täter, sondern die, denen etwas geraubt wurde – ihre Kinder, ihre Brüder, ihre Freunde. Erschütternd wird deutlich, wie Behörden und Politik nach dem Anschlag versagten: ein verbarrikadierter Notausgang, unzureichend erreichbare Notrufe, mangelhafte Kommunikation mit den Familien. Erst durch den hartnäckigen Einsatz der Hinterbliebenen und das Engagement der Recherche-Initiative Forensic Architecture wurde die Tatnacht akribisch rekonstruiert. Der Film zeigt schonungslos, wie schwer es ist, gegen institutionelle Ignoranz anzugehen. Forciert wird die Botschaft: Aufklärung braucht Konsequenzen. Emiș Gürbüz, Mutter eines der Ermordeten, bringt die Ohnmacht auf den Punkt: „Deutschland hat mein Kind ausgelöscht.“ Was bleibt, ist die aufreibende Suche nach Erklärungen und die Frage: Wie kann das Land würdig erinnern? Der Film hält sich nicht mit einfachen Antworten auf. Vielmehr legt er offen, dass Rassismus nicht am Täter endet, sondern viel tiefer in Strukturen, Alltag und Politik verwoben ist. Trotz aller Erschütterung bleibt ein Hoffnungsschimmer: Durch das öffentliche Engagement der Familien wird die Debatte um Verantwortung und Erinnerungskultur in Deutschland neu entfacht.

Der Dokumentarfilm „Das Deutsche Volk“ rückt die Perspektiven der Betroffenen des Hanauer Anschlags ins Zentrum und beleuchtet ihren Kampf gegen das Vergessen und gegen institutionelle Hürden. Wierzchowski schildert einfühlsam, wie die Hinterbliebenen die Sprachlosigkeit und das Behördenversagen thematisieren und konsequent Konsequenzen fordern. Der Film legt den Finger in die Wunde des strukturellen Rassismus und öffnet den Diskurs über die Erinnerungskultur in einer diversen Gesellschaft. In aktuellen Online-Quellen vertiefen sich zahlreiche Medien weiter in das Thema. Die „taz“ hat jüngst ausführlich über den Umgang mit dem Hanau-Trauma berichtet und aufgezeigt, wie die Familien der Opfer von Verantwortungsträgern oft allein gelassen wurden. „Deutschland.de“ widmete sich in einem langen Porträt den Auswirkungen des Anschlags auf das Selbstverständnis der Einwanderungsgesellschaft und fragte, was sich seitdem wirklich verändert hat. Die „Zeit“ beleuchtet in einer tiefgehenden Analyse, wie die Initiative der Hinterbliebenen zur Aufarbeitung des Falls geführt hat und welche strukturellen Veränderungen im Umgang mit rassistischer Gewalt notwendig sind.

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