Tanz gegen das Vergessen: Liberation Dance am 8. Mai 2026 – Berlin bewegt sich

Berlin – Mitten in Kreuzberg plant die Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft (EVZ) am Tag der Befreiung einen schwungvollen Flashmob, der Solidarität und Menschlichkeit tänzerisch sichtbar macht. Alle, die ein Zeichen gegen Hass setzen und Geschichte mit den eigenen Füßen spürbar machen möchten, sind eingeladen.

23.04.26 11:24 Uhr | 17 mal gelesen

Der 8. Mai steht nicht nur für das Ende einer dunklen deutschen Epoche, sondern auch für den gemeinsamen Aufbruch. An genau diesem Tag ruft die Stiftung EVZ die Berliner:innen zum "Liberation Dance" zusammen – ein Event, das Erinnern ins Hier und Jetzt holt, abseits grauer Gedenkreden. Um 17:30 Uhr verwandelt sich die Friedrichstraße (Höhe Besselpark) in eine Tanzfläche: Ob Swing-Profi oder Bewegungsneuling, ob alt oder jung, ob mit oder ohne Anmeldung – hier zählt Zusammenhalt. Wer will, kann vorab online üben, aber gebraucht wird nur Lust auf Begegnung.

Weniger bekannt ist – und das macht die Sache so lehrreich wie bewegend –, dass Swingtänzer:innen und Jazzliebhaber:innen unter den Opfern des Nationalsozialismus waren. Der Sound des Widerstands hallte durch verrauchte Keller, trotz Verbot, trotz Gefahr. Mit dem Flashmob will die Stiftung EVZ gemeinsam und öffentlich zeigen: Vergessen ist keine Option, gerade jetzt nicht.

Die Choreografie, mitentwickelt von Anya Lebedeva und anderen internationalen Tänzer:innen, baut bewusst Brücken: Man hält sich an den Händen, lacht gemeinsam und ergreift Partei für eine offene Gesellschaft. Entstanden als engagierte Kooperation – vom Bremer Bündnis für deutsch-tschechische Zusammenarbeit e.V. bis zu Berliner Akteur:innen – wurde der Tanz schon in mehreren Städten und sogar länderübergreifend getanzt. Neben Berlin sind dieses Mal auch Bremen, Hamburg, Oldenburg, Köln und Prag dabei.

Der Liberation Dance ist Teil des Geschichtsfestivals "EVZ Histoday", das zum 25-jährigen Stiftungsjubiläum einlädt und etwa 150 internationale Gäste versammelt. Die Stiftung nutzt ihr Jubiläum als Moment des Rückblicks – auf Verantwortung, die politische Praxis wurde. "Die EVZ-Arbeit“, so Bundespräsident Steinmeier als Schirmherr des Jahres, „bleibt ein wichtiger Auftrag, damit Erinnern lebendig bleibt." Auch die Kuratoriumsvorsitzende, Annette Schavan, mahnt: Verantwortung muss sicht- und fühlbar bleiben.

Die EVZ wurde 2000 gegründet, um ehemalige Zwangsarbeiter:innen des NS-Regimes zu entschädigen und die Erinnerung an das Leid zu erhalten. Heute steht sie für Projekte, die Brücken bauen, für Menschenrechte, gegen das Vergessen. Wer mitmachen will, findet die wichtigsten Infos auf der Jubiläumsseite sowie Kontaktdetails im Anhang.

Kurios am Rande: Für einen wahrnehmbaren Flashmob braucht es keine perfekten Schritte, sondern Menschen, die ein kleines Risiko eingehen – sich trauen, gemeinsam in Bewegung zu geraten.

Mit dem Liberation Dance will die Stiftung EVZ bleibende Erinnerungsarbeit leisten, die in die Berliner Straßen schwappt. Tanz – gerade jener, der im Nazi-Deutschland verboten war –, steht dabei als Symbol für den Mut, gegen die damalige Unterdrückung und für heutige Solidarität aufzustehen. Bemerkenswert ist, wie niedrigschwellig die Einladung ausfällt; niemand wird ausgeschlossen, alle können mitmachen (ganz ohne Vorkenntnisse). Zusätzlich bietet die Veranstaltung die Gelegenheit, dem wachsenden Rechtsextremismus und heutigen Formen des Antisemitismus mit Bewegung, Begegnung und kulturellem Engagement zu begegnen. Die Mischung aus Musik, politischer Botschaft und körperlicher Beteiligung macht das Event einzigartig. Update & Ergänzungen: Laut aktuellen Presseberichten ist der 8. Mai in Berlin erneut im Fokus gesellschaftlicher Debatten um einen bundesweiten Gedenktag; einige Artikel berichten über Diskussionen zur gesetzlichen Verankerung dieses Tages als Feier der Befreiung. Mehrere Städte in Deutschland und Europa planen ebenfalls Gedenkveranstaltungen, die besonders Jugendliche einbeziehen und verschiedene Ausdrucksformen – von Musik bis Theater – zulassen. Besonders in sozialen Medien laufen zurzeit unter dem Hashtag #LiberationDance und #KeinVergessen Initiativen, die ihre Reichweite vergrößern, um auch fernab des Berliner Zentrums Momente des Erinnerns zu schaffen. Seitens der Stiftung wird aktuell verstärkt auf die Herausforderungen hingewiesen, die durch historische Verdrängung und aktuelle politische Entwicklungen entstehen.

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