Mehr Durchblick beim Musikstreaming? Weimer startet Initiative

Kulturstaatsminister Wolfram Weimer macht sich für nachvollziehbare Strukturen und gerechte Bezahlung im Musikstreaming stark. Nach Dialogen mit Branchenvertretern ruft er die Musik-Labels zu konkreten Gesprächen an einen Tisch.

heute 13:00 Uhr | 3 mal gelesen

Es klingt so selbstverständlich: Wer Musik macht, sollte fair bezahlt werden – gerade im Zeitalter der Streams. Doch die Realität bleibt häufig nebulös. "Transparenz, das fehlt!", bringt es Weimer auf den Punkt nach seinem Austausch mit einigen der großen Labels. Eigentlich sind sich laut ihm alle im Klaren darüber, dass die jetzigen Strukturen weder für Musiker noch für die Musikindustrie dauerhaft tragbar sind. Dennoch: Alte Routinen, neue Plattformen und vielzählige Rechteinhaber machen Lösungen zäh. Weimer will das ändern. Seine Einladung zum Runden Tisch im Kanzleramt steht – kein geschlossener Kreis: Musiker, Label-Bosse und Vertreter der Streamingdienste sollen gemeinsam nach pragmatischen, tragfähigen Wegen suchen. Nicht mehr das übliche "Jeder gegen jeden". Er betont, dass eine faire Vergütung und offene Abrechnungen überlebenswichtig für Kreative sind. Bereits letztes Jahr sprach er mit Songwritern und Musikerinnen, jetzt sind die Labels dran, kommende Woche folgen Vertreter der Streaming-Betreiber. Was aus diesen Gesprächen wird? Man darf ein bisschen skeptisch bleiben. Aber die Richtung stimmt.

Weimer fordert einen Neustart im Umgang mit Musikstreaming: Künstlerinnen und Künstler sollen endlich angemessen und vor allem nachvollziehbar für ihre Arbeit entschädigt werden. Die Musikbranche steht unter Druck, weil viele Musiker trotz massiver Streamingzahlen kaum etwas verdienen und oft im Unklaren gelassen werden, wie ihre Tantiemen berechnet werden. Dass Weimer jetzt einen runden Tisch ins Leben ruft – dem Austausch zwischen Musikschaffenden, Labels und Plattformbetreibern –, ist ein erster Schritt, um die festgefahrene und intransparente Situation anzugehen. Aktuelle Informationen belegen, dass sich der Ton zwischen Musikern und Streamingdiensten zuletzt weiter verschärft hat: Spotify und andere Anbieter geraten gerade durch die sogenannten "Discovery-Mode"-Modelle in die Kritik, weil sie Zahlungsströme noch undurchsichtiger gestalten (siehe u.a. aktuelle Berichte bei Zeit.de). Auch international brodelt die Debatte, etwa in Großbritannien und Frankreich, wo Musikpolitiker umfassende Reformen anstoßen. Zusätzlich zeigt eine Untersuchung der GEMA, dass rund 90 Prozent der ausgezahlten Streaming-Einnahmen an die Top 1 Prozent der Tracks gehen – während breite Teile der Musiker weitgehend leer ausgehen. Die kommende Gesprächsrunde könnte daher zukunftsweisend werden.

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