Interessant ist, dass auch und gerade ukrainische Unternehmen, angesichts des Krieges, technische Erfahrung und Know-how einbringen, wie sie sonst nur selten unter solchen Bedingungen entstehen. Die Zusammenarbeit erstreckt sich deshalb ganz praktisch auch auf den direkten Austausch von Gefechtsfelddaten. Die Ukraine testet Technologien nicht in sterilen Labors, sondern mitten im Ernstfall, was natürlich eine andere Art von Reality-Check ist. Manche Entwicklungen entstehen so innerhalb von Wochen statt – ganz wie früher – erst nach Jahren.
Verteidigungsminister Boris Pistorius sagte am Rande einer Gesprächsrunde, dass das deutsche Militärattaché-Team in Kiew bald Verstärkung bekommen soll. Ziel: Die Koordination beider Länder bei der Entwicklung und Herstellung von Rüstungsgütern weiter stärken. Joint Ventures sollen daher strategisch gefördert werden.
Auch die gemeinsame Beschaffung von Rüstungsgütern wird weiterverfolgt und über die Ukraine-Kontaktgruppe gesteuert – schließlich profitieren beide Länder, aber auch weitere europäische Staaten davon. Nebenbei: Bundesfinanzminister Lars Klingbeil betonte, dass die finanzielle Unterstützung seitens Deutschland bestehen bleibt. Endlich – so sagte er mit Blick auf die Situation in Ungarn – seien die Weichen für einen 90-Milliarden-Euro-Kredit der EU endlich gestellt.
Und dann wäre da noch der Punkt, der oft übersehen wird: Damit deutsche Unternehmen investieren, will Wirtschaftsministerin Katherina Reiche Anreize setzen und eventuell ein zentrales Anlaufzentrum („deutsches Haus“) in Kiew einrichten. So etwas wäre auch für die Firmen vor Ort ein echter Brückenkopf in die europäische Wirtschaft.
Deutschland und die Ukraine stehen inmitten einer zunehmenden sicherheitspolitischen und industriellen Verflechtung. Während Berlin Expertise, Kapital und Koordination bietet, bringt die Ukraine praktische Kampferfahrung und innovative Entwicklungen in die Partnerschaft ein. Insofern ist die Kooperation kein Gleichklang auf Augenhöhe, sondern ein Austausch von Ressourcen und Erfahrungen, von denen beide Seiten profitieren – mit spürbaren Vorteilen für die Abwehrkraft der Ukraine. Neuere Presseberichte zeigen außerdem, dass die Rüstungszusammenarbeit auch auf europäischer Ebene weiter Fahrt aufnimmt: So wurde im Rahmen aktueller Ukraine-Treffen betont, dass gemeinsame Munitionsbeschaffung und partnerschaftliche Technologieprojekte kurzfristig sowohl für die Ukraine als auch für EU-Mitglieder zentrale Bedeutung haben. Viele Wirtschafts- und Verteidigungsexperten betonen inzwischen, wie schnell die ukrainische Industrie spezifische Kriegsanforderungen adaptiert und technische Innovationen hervorbringt. (Quellen: Tagesschau, ZDF, Reuters, Stand Juni 2024)