Manchmal liegt die Lösung so nah und will doch niemand so richtig ran – ans Geld der Pharmariesen. Tim Klüssendorf, der SPD-Generalsekretär, bringt es unverblümt auf den Punkt: Wenn schon die Gesundheitskosten explodieren, dann sollte der Fokus zuerst auf die Arzneimittelpreise fallen. 'Wir geben pro Kopf mehr für Medikamente aus als jedes andere Land Europas', sagt Klüssendorf. Warum also nicht konsequent bei denen ansetzen, die mit der Gesundheit Milliarden verdienen? Der SPD-Mann warnt davor, dass die Politik das Problem ausschließlich auf den Schultern von Verbraucherinnen und Versicherten abladen könnte. Leistungskürzungen, steigende Zuzahlungen, weniger Krankengeld – das trifft genau die, die ohnehin schon genug stemmen. Besonders Familien müssten nach seinen Worten größeren Schutz genießen – niemand solle zwischen Gesundheit und dem Bezahlen der Miete abwägen müssen. Angesichts dessen fordert Klüssendorf klipp und klar: Pharmakonzerne sollen ihren gerechten Teil beitragen, sonst kippt das Gleichgewicht zwischen Staat, Wirtschaft und Bevölkerung weiter. Gesundheitsministerin Nina Warken (CDU) scheint immerhin gesprächsbereit, solange das Sparvolumen stimmt. Aber verlassen sollte sich niemand darauf. Die Zeit für Ausflüchte – die sei einfach vorbei.
Klüssendorf rückt den Finger in die Wunde: Anstatt ständig höhere Sozialabgaben oder Leistungskürzungen zu erfinden, richtet er die Aufmerksamkeit auf die hohen Medikamentenpreise und fordert, Pharmakonzerne stärker heranzuziehen. Interessant – laut aktuellen Medienberichten stehen die deutschen Arzneiausgaben seit Jahren in der Kritik; das Bundesgesundheitsministerium ist offen für Vorschläge, fordert aber gleichzeitig Stabilität beim Sparvolumen. Streitpunkt bleibt, wie weit der Einfluss auf die Preisgestaltung gehen darf und ob Unternehmen tatsächlich spürbar mehr zahlen – oder ob letztlich doch vor allem die Versicherten zur Kasse gebeten werden.