KI schreibt Politik: Ein Ministerpräsident und seine Reden

Mario Voigt, Thüringens amtierender Regierungschef, stellt sich der Debatte um Künstliche Intelligenz in der politischen Kommunikation offen – und ruft seine Verwaltung zur KI-Nutzung auf.

heute 10:33 Uhr | 4 mal gelesen

Wenn man ehrlich ist, wäre es fast naiv zu glauben, dass Politikerinnen und Politiker heute gänzlich ohne digitale Helferlein auskommen. Mario Voigt (CDU), Ministerpräsident von Thüringen, sieht das offenbar genauso – und lässt die Öffentlichkeit auch keinen Moment im Zweifel: Künstliche Intelligenz ist für ihn längst ein selbstverständlicher Teil moderner Verwaltung. So äußerte er sich im Gespräch mit dem "Tagesspiegel" überraschend entspannt zum Vorwurf, mithilfe von KI Formulierungen für Reden übernommen zu haben. Besonders pikant: Es geht dabei nicht um irgendeine Verwaltungsvorlage, sondern um bedeutungsschwere Ansprachen, etwa zum Tod des einstigen Regierungschefs Bernhard Vogel oder zum Holocaust-Gedenktag. Erkannte Unschärfen? Gewisse Unsicherheiten schwingen da mit. Voigt lässt offen, bei welchen Reden KI tatsächlich beteiligt war, verweist aber auf die Arbeitsteilung in seinem Haus: "Sollte es mal einzelne Absätze geben, die mithilfe von KI entstanden sind, gibt es keinen Grund zur Panik." Fast alle Reden halte er ohnehin frei, betont er – und weicht damit, vielleicht nicht ganz zufällig, dem eigentlichen Kern der Sache aus. Auch Katja Wolf, seine Stellvertreterin und Finanzministerin, kann mit dem Einsatz künstlicher Intelligenz offenbar gut leben. Für ihre eigenen Reden nutze sie KI zwar nicht, schätzt aber die Effizienz, mit der ihr KI Zusammenfassungen oder Alternativformulierungen liefern kann. Ob ihre Mitarbeiter darauf zurückgreifen, lasse sich jedoch nur schwer kontrollieren. Für Wolf kein Grund zur Skandalisierung: Im Gegenteil – technisch kompetente Verwaltungen sollten die neuen Möglichkeiten selbstverständlich ausloten, nicht ablehnen. Sonst, so lässt sie anklingen, würden sie schlicht den Anschluss verlieren.

Mario Voigt verteidigt den pragmatischen Einsatz von KI bei der Erstellung politischer Reden in Thüringen – selbst bei sensiblen Anlässen wie Gedenkveranstaltungen. Der Umgang mit modernen digitalen Hilfsmitteln spaltet derzeit die deutsche Öffentlichkeit: Ist es ein Zeichen von Innovationskraft oder ein Vertrauensproblem, wenn KI hinter festlichen Worten steht? Voigts offene Haltung – und das grundsätzliche Einverständnis von Finanzministerin Wolf – spiegeln eine Entwicklung wider, die an vielen Verwaltungsschreibtischen Deutschlands längst Alltag ist. Übrigens: Laut aktuellen Berichten denken immer mehr deutsche Politiker strategisch darüber nach, wie KI ihre Arbeit bereichern oder eben auch herausfordern könnte. Reden, die KI anfasst, klingen manchmal glatter – aber werden sie dadurch besser oder gar menschlicher? Einige Kommentatoren warnen vor einer Entfremdung zur Wählerschaft; andere entdecken darin vor allem eine Chance, politische Kommunikation zeitgemäß und effizienter zu gestalten.

Schlagwort aus diesem Artikel