Eine neue Untersuchung, die von Interhyp gemeinsam mit dem Institut der deutschen Wirtschaft (IW) durchgeführt wurde – über die auch im 'Handelsblatt' berichtet wird –, wirft einen ungewöhnlichen Blick auf die Verbindung zwischen der Autokrise und dem Immobilienmarkt. Die Hauptursache für die gedämpfte Nachfrage nach Wohneigentum liegt weniger in einem plötzlichen Anstieg des Wohlstands, sondern vielmehr an eingetrübten wirtschaftlichen Perspektiven in den Zentren der Autobranche. Nach Einschätzung von Jörg Utecht, dem Vorstandschef von Interhyp, habe dies dazu geführt, dass sich beispielsweise in Wolfsburg, Ingolstadt, Schweinfurt oder Stuttgart der Traum vom eigenen Einfamilienhaus wieder eher erfüllen lässt – zumindest für einige Interessenten.
Trotz gestiegener Hypothekenzinsen und Immobilienpreise bleibt laut der Studie der sogenannte Erschwinglichkeitsindex für Einfamilienhäuser nahezu konstant bei 103 Punkten. Hier gleichen steigende Löhne die höheren Belastungen bislang meist aus. Dennoch hat sich die Bezahlbarkeit in mehr als der Hälfte der betrachteten Regionen im vergangenen Jahr verschlechtert.
Der zugrundeliegende Index vergleicht die monatlichen Kreditkosten mit dem Haushaltseinkommen: Ab einem Wert von 100 ist ein Hauskauf noch machbar, je weiter darunter, desto schwieriger wird es. Vor allem in Deutschlands sieben größten Städten sieht die Lage düster aus – Hamburg, Berlin, München und Co. kommen zusammen nur auf magere 80 Punkte. Während es in ländlicheren Gegenden und Vorstädten für viele noch erschwinglich ist, steigt dort der Index auf einen Wert zwischen 105 und 118, was für mehr Kaufkraft und bezahlbare Eigenheime spricht. Fast die Hälfte aller untersuchten Haushalte leben in inzwischen vergleichsweise budgetfreundlichen Regionen.
Die Studie von Interhyp und IW diagnostiziert vor allem in klassischen Autoregionen wie Wolfsburg oder Stuttgart eine gestiegene Erschwinglichkeit für Einfamilienhäuser – verursacht durch eine abgekühlte Wirtschaft, welche die Preise bremst. Gleichzeitig zeigt der deutschlandweite Index jedoch, dass insbesondere die großen Metropolen weiterhin weit von erschwinglichem Eigentum entfernt sind und die finanzielle Belastung durch gestiegene Bauzinsen und Preise auch vielerorts zunimmt. In Ballungsräumen nimmt der Druck zu – vor allem junge Familien und Normalverdiener geraten dort zunehmend ins Hintertreffen.
Aktuelle Berichterstattung aus den letzten 48 Stunden unterstreicht mehrere Trends: So weisen Analysen darauf hin, dass Bauprojekte stocken, weil Investoren angesichts gestiegener Zinsen und Baukosten vorsichtiger werden. Einige Zeitungen berichten zudem über erhöhte Kurzzeitvermietungen, da viele Eigentümer hoffen, so die laufenden Kosten zumindest teilweise auffangen zu können. Politisch nehmen Forderungen nach gezielten Fördermaßnahmen zu, um angesichts des stockenden Wohnungsbaus und fortschreitender Preissteigerungen soziale Verwerfungen aufzufangen.