In Interviews mit RTL und ntv hat Evers recht deutliche Worte gefunden. Ihm geht es vor allem darum, dass Moscheevereine, die verfassungsfeindliche Inhalte verbreiten, nicht weiter toleriert werden – rechtliche Möglichkeiten wie das Vereinsrecht seien hier auszuschöpfen, sagt er. Außerdem stößt er eine alte Debatte neu an: Berlin solle, so Evers, endlich ein Wahlpflichtfach Religion einführen. Ihm missfällt, dass bislang Ideologie – vor allem auf der linken Seite – den Diskurs geprägt habe. An mehreren Stellen seien dringend Entscheidungen notwendig, doch bislang hätten viele gebremst: „Wir sprechen das Problem offen an und gehen es bei der Wurzel an.“
Interessanterweise betont Evers, dass Schutzbedürftige nicht nur einer Gruppe angehören: Frauen, Jüdinnen und Juden, queere Menschen fühlten sich zum Teil in bestimmten Vierteln unsicher. Und trotzdem warnt er letztlich davor, einen Anschlag politisch auszuschlachten, nur weil nun Wahlkampf ist – die Gefahr, pauschale Vorurteile zu befeuern, sei groß. Muslime spielten übrigens auch eine zentrale Rolle beim Schutz des CSD und seien im Rettungsdienst oder in der Pflege nicht wegzudenken. "Wir müssen gemeinsam gegen Islamismus auftreten – und zwar ohne Scheuklappen und gegenseitiges Misstrauen." Ihm fehle da manchmal der Mut bei anderen. Aber Einigkeit sei gefragt, nicht neue Gräben.
Evers Vorschläge kreisen um einen Mix aus härterem Durchgreifen gegen radikale Moscheevereine und gesellschaftlicher Aufklärung: Er will nicht bloß Verbote, sondern auch eine ausführlichere Behandlung des Themas Islam an Berlins Schulen. Die Debatte spitzt sich auch deshalb zu, weil der jüngste Anschlag und steigende Unsicherheitsgefühle den Ton verschärfen. Positionen wie die von Evers finden mittlerweile parteiübergreifend Unterstützung – selbst Grüne und SPD sprechen sich häufiger für ein härteres Vorgehen gegen Islamismus aus. Aus aktuellen Medien lässt sich ergänzen: Laut der taz gibt es zunehmend eine Diskussion über bundesweite Meldepflichten für Moscheevereine und ihrer Geldflüsse (vor allem, wenn Beziehungen ins Ausland bestehen). Die Süddeutsche berichtet, dass sich nach dem Anschlag viele muslimische Gemeindevertreter deutlich gegen jede Form von Extremismus aussprechen und auf ihre Integrationsleistungen hinweisen. Die ZEIT beschreibt in einer aktuellen Analyse, wie polizeiliche Präventivmaßnahmen und schulische Aufklärung besser gekoppelt werden könnten, um Jugendliche vor islamistischer Radikalisierung zu schützen.