Fast steuerfreie Erbschaften: Warum große Vermögen kaum zur Kasse gebeten werden

Wer in Deutschland richtig viel erbt, kommt oft fast ungeschoren davon: Auf Unternehmensvermögen jenseits der 26-Millionen-Euro-Grenze werden durchschnittlich nur rund zwei Prozent Steuern fällig. Das wirft Fragen zur Fairness im deutschen Steuer- und Sozialsystem auf.

26.08.26 10:27 Uhr | 1680 mal gelesen

Unglaublich, aber wahr: In Deutschland reicht manchmal schon ein goldener Handschlag – und für Mega-Erbschaften riesigen Ausmaßes bleibt der Steuerbescheid beinahe blank. Zwei Prozent Steuersatz, das ist der Schnitt, wenn etwa ein Unternehmen mit einem Verkehrswert von über 26 Millionen Euro den Eigentümer wechselt.

Das verblüffende Steuer-Schlupfloch

Die Zahlen hat das Netzwerk Steuergerechtigkeit aus Daten des Statistischen Bundesamtes herausgefiltert, zuerst berichtete der 'Spiegel' darüber. Ein beinahe absurder Mechanismus sorgt dafür: Per "Verschonungsbedarfsprüfung" werden bei Unternehmensvermögen jenseits der 26-Millionen-Marke nur ca. sechs Prozent der eigentlichen Steuerlast eingefordert. Wer das Glück hat, solch einen Schatz zu erben, landet quasi einen steuerlichen Hauptgewinn. Und ja, ich muss zugeben, bei solchen Summen kommt mir das Wort „Rabatt“ seltsam in den Kopf.

Kluft zwischen Theorie und Wirklichkeit

Wenig überraschend ist das Ergebnis: 2025 verzichtet der Staat deshalb auf geschätzte 3,7 Milliarden Euro – vererbte Millionen, an denen der Fiskus quasi vorbeiläuft. Besonders geschickte Erblasser nutzen legale Modelle, ihr Vermögen mit mehreren Schenkungen besonders steuerarm weiterzugeben. Darüber, wie fair das nachher alles verteilt ist, braucht man kaum zu diskutieren – irgendwie wirkt das System wie eine maßgeschneiderte Einladung für die Reichen, sich arm zu rechnen.

Widerstand regt sich – Angemessene Gerechtigkeit?

Julia Jirmann vom Netzwerk Steuergerechtigkeit bringt es ziemlich treffend auf den Punkt: Wer viel erbt, drückt sich oft vor viel Steuern, während mittelgroße Erbschaften oft stärker belastet werden. Diese Asymmetrie spiegelt und verstärkt, wie schon lange diskutiert wird, die ohnehin angespannte Vermögensverteilung in Deutschland. Das Bild ist schief – und so bleibt, ehrlich gesagt, ein ungutes Gefühl. Oder um es zugespitzt zu sagen: Wer oben sitzt, sitzt fester denn je.

Im Kern zeigt sich: Wer in Deutschland riesige Unternehmensvermögen erbt, zahlt verschwindend wenig Steuern – in den meisten Fällen liegt die effektive Belastung bei nur etwa zwei Prozent. Möglich wird das durch die Verschonungsbedarfsprüfung, die Großunternehmen ab 26 Millionen Euro mit deutlichen Erleichterungen ausstattet. Kritiker*innen, wie das Netzwerk Steuergerechtigkeit, sehen darin die Ursache einer weiter auseinander klaffenden Wohlstandsschere: Während breite Teile der Bevölkerung ihre Steuern brav entrichten, genießen die Reichsten massive Privilegien und können ihren Reichtum fast unbehelligt vererben. Mit Blick auf aktuelle Recherchen zeigt sich: Die Süddeutsche Zeitung belegt, wie reiche Familien gezielte Steuertricks einsetzen, während kleinere Erben vielfach das Nachsehen haben (Quelle: Süddeutsche Zeitung). Die DW verweist auf internationale Vergleiche, in denen Deutschlands aktuelle Erbschaftssteuerregelung als äußerst großzügig auffällt (Quelle: Deutsche Welle). Und die taz berichtet von Lobbydruck und reformresistenter Politik, die eine tatsächliche Änderung der Situation weiter hinauszögert (Quelle: taz).

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