Im Gespräch mit 'Welt' ließ Ulrich Siegmund am Dienstag kaum Zweifel an seiner Haltung: Eine Strategie, sich durch Passivität des BSW – also durch Enthaltung im entscheidenden Wahlgang – zum Ministerpräsidenten wählen zu lassen, kommt für ihn gar nicht infrage. "Das wird ganz offen von vielen Medien lanciert, die das BSW gezielt aufblasen, weil es der AfD die absolute Mehrheit streitig machen könnte", so Siegmund. Er sieht darin einen bewussten Versuch, seine Partei aus dem Ruder zu werfen. Außerdem zeigte er sich frustriert über die Spaltungen unter den (halbwegs konservativen) Wählern: "Wenn wir uns ständig gegenseitig zerlegen, erleben wir genau das, was schon in Brandenburg oder Thüringen passiert ist. Wie will ich mit solchen Mitspielern die Probleme hier lösen?" Im Grunde gehe es ihm um eine überzeugende Mehrheit: "45 Prozent plus X – das ist der Maßstab, um wirklich etwas verändern zu können.", betonte Siegmund. Für ihn sei es sinnlos, bloß formal im Amt zu sein, wenn die parlamentarische Unterstützung bröckelt. Schließlich, so wirft er ein, lauere ganz Deutschland – beziehungsweise die politischen Gegner – nur darauf, dass eine potenzielle AfD-Regierung in Sachsen-Anhalt scheitert. Das Land brauche vielmehr eine verlässliche Mannschaft, die ihren Job fünf Jahre lang durchhält. – So zumindest sieht er es.
Ulrich Siegmund, AfD-Spitzenkandidat in Sachsen-Anhalt, möchte keinesfalls Ministerpräsident werden, indem sich das BSW nur enthält und ihm eine einfache Mehrheit verschafft – das würde ihm seiner Ansicht nach kein Mandat für ein stabiles Regieren geben. Letztlich sieht er eine gespannte Atmosphäre, da Medien und politische Gegner darauf abzielen, die AfD an einer Regierung zu hindern, indem sie das BSW gezielt in den Fokus rücken und so die AfD-Mehrheit bremsen. Hintergrund dieser Debatte ist auch die zunehmende Fragmentierung des politischen Lagers in Ostdeutschland, wo die AfD in Umfragen zwar stark ist, sich aber durch neue Akteure wie das BSW mit neuen Hürden konfrontiert sieht.
Mit Blick auf aktuelle Recherchen zeigen andere Quellen, dass ähnliche Diskussionen in Brandenburg und Thüringen zu einer Pattsituation geführt haben, weil keine Partei in Ostdeutschland aktuell koalitionsfähig mit der AfD ist. Die Presse diskutiert dabei immer wieder, wie demokratische Mehrheitsbildungen gesichert werden können, ohne der AfD eine Regierungsbeteiligung zu ermöglichen. Auch ist in den vergangenen Tagen eine Debatte um den Umgang mit Populismus und die Entwicklung neuer Parteien entbrannt, wie z.B. durch das BSW, das laut Umfragen insbesondere in Sachsen und Thüringen an Fahrt gewinnt.