Mit typisch militärischer Präzision, aber auch einer guten Portion Praxisbezug ging die länderübergreifende Übung HETHEX 2026 zu Ende. Ein Zitat des hessischen Kommandeurs, Brigadegeneral Holger Radmann, fasst es eigentlich treffend zusammen: 'Eine Kette ist nur so stark wie ihr schwächstes Glied. Das gilt erst recht im Zusammenspiel staatlicher und ziviler Partner.' Besonders im Fokus standen diesmal nicht nur militärische Abläufe, sondern das direkte Miteinander der Sicherheitskräfte – und zwar draußen auf echten Straßen, im laufenden Alltag.
Oberst Klaus Glaab, Leiter des Landeskommandos Thüringen, zeigte sich ebenfalls beeindruckt. Für ihn lag der Wert der HETHEX26 vor allem darin, dass sich an den Nahtstellen zwischen Bund, Land und Kommunen Lösungen nicht nur am Reißbrett ausdenken, sondern wirklich ausprobieren ließen. Und tatsächlich: ob an Autobahnen oder in der Koordinierungsstelle der Kreisverwaltungen – überall ging es darum, Schnittstellen, Meldeketten und Abstimmungen nicht zu simulieren, sondern zu erleben.
Was lag praktisch an? Fünf Tage lang rollten Kolonnen von Bundeswehr und US-Army auf den Autobahnen A4, A5, A7 und A38. Die Herausforderung bestand nicht nur in der kollektiven Bewegung der Verbände, sondern auch darin, die Konvois gefahrlos und reibungsarm in den zivilen Verkehr einzubinden – ein Tanz auf engem Raum, sozusagen. In Remsfeld wiederum wurde ein provisorisches Versorgungszentrum eingerichtet, in dem Truppenteile – etwa das Jägerbataillon 1 – realitätsnah Rast, Betankung und Verpflegung üben konnten. Das erinnerte beinahe an eine Rallye: Tankstopp, Stärkung, weiter geht’s – und das unter Volllast.
Erwähnenswert war außerdem das Engagement der Zivilkräfte: Catering durch regionale Anbieter, Unterstützung von Feuerwehr und Polizei und nicht zuletzt die Reservisten, die als Vermittler und Organisatoren eine tragende Rolle spielten. Die HETHEX skizzierte damit fast so etwas wie den Prototyp einer modernen „Schutzgemeinschaft“.
Waren alle zufrieden? Ganz nüchtern: Ja. Es wurden Lücken identifiziert, Abläufe justiert und vor allem deutlich: Ohne gegenseitiges Kennen, Vertrauen und Improvisation geht es im Ernstfall nicht. Das Ziel bleibt, beim nächsten Mal noch schneller, präziser und menschlicher reagieren zu können. Denn eine Krise kennt nun mal keinen Dienstschluss.
Was viele gar nicht wissen: Die Landeskommandos, von denen es jeweils eines in jedem Bundesland gibt, sind als Anlaufstelle für Regierungen und Katastrophenschutzstelle vor Ort das Rückgrat der gesamtstaatlichen Krisenorganisation. Sie vernetzen Militär mit zivilen Akteuren, koordinieren im Katastrophenfall die Hilfeleistungen und beraten Behörden zur Einbindung der Streitkräfte – oft hinter den Kulissen, aber umso unverzichtbarer.
Besonders spannend: Da, wo Landesgrenzen auch NATO- oder EU-Grenzen sind, geht Zusammenarbeit noch einen Schritt weiter. Im Grenzfall wird die deutsche „Drehscheibe“ richtig aktiv und integriert Verbände und Versorgung befreundeter alliierter Streitkräfte – eine Mammutaufgabe, die reibungsarm gelingen muss. Die HETHEX 2026 hat hier offenbar wichtige Erkenntnisse geliefert, die in die kommenden Übungs- und Einsatzzusammenarbeiten einfließen werden.
Die großangelegte Übung HETHEX 2026 stellte eine außergewöhnliche Kooperation zwischen deutschen und US-Truppen sowie zahlreichen zivilen Akteur:innen dar. Zum ersten Mal wurde in diesem Umfang der reibungslose Ablauf von Truppenbewegungen über mehrere Bundesländer und inmitten des zivilen Verkehrs getestet. Neu war auch die tiefere Einbeziehung externer Dienstleister und die strukturierte Beteiligung ziviler Rettungsorganisationen. HETHEX 2026 wurde zu einer Art Lackmustest für eine mögliche gesamtstaatliche Krisenbewältigung - nicht nur auf dem Papier, sondern mit echten Szenarien und handfesten Proben auf den Straßen und in den Koordinierungsstellen der Regionen. In Folge des russischen Angriffskrieges auf die Ukraine betont die Bundeswehr auch öffentlich immer wieder die Notwendigkeit solcher Übungen, um auf drohende Gefahren vorbereitet zu sein. In den vergangenen 48 Stunden veröffentlichte die Presse eine Reihe von Artikeln zum Thema Sicherheitsübung und Landesverteidigung in Deutschland. Eine aktuelle Analyse der Süddeutschen Zeitung verweist darauf, dass gerade die Details der „Drehscheibe Deutschland“ – etwa Versorgungslogistik und der Schutz kritischer Infrastruktur – in Zukunft noch angesichts wachsender Bedrohungslagen geschärft werden müssten (siehe Erweiterung). Parallel veröffentlichten Medien wie die FAZ und Die Zeit Hintergrundinfos zu aktuellen Truppenbewegungen der Bundeswehr und rückten die Rolle der Landeskommandos als 'unsichtbare Architekten der Sicherheit' ins Licht. Während die strategische Bedeutung solcher Übungen wächst, bleibt ein Rest Unsicherheit: Wird Krise als reale Option schon hinreichend angenommen? Oder sind viele Abläufe – trotz Übung – künftig nochmals nachzujustieren?