Mitten im parteiinternen Gefecht schickt Bodo Ramelow einen Brief – und legt darin die Finger tief in offene Wunden seiner eigenen Partei. Da ist von politischer Irreführung, einer brüsken Missachtung demokratischer Beschlüsse und einer generellen Verärgerung über den Kurs der Parteispitze um Jan van Aken und Ines Schwerdtner die Rede. Was steckt dahinter? Die Parteiführung hat beantragt, dass Linken-Abgeordnete im Bundestag und Europaparlament ihre Mandatsgehälter künftig am Durchschnittslohn orientieren sollen; Zusatzbeträge gibt’s für Kinder oder Pflege. Ramelow aber sieht darin gleich doppelt einen schweren Verstoß: Erstens gehe der Beschluss am gelebten Parteitag vorbei, zweitens könnten die geplanten Regeln sogar gegen die Verfassung verstoßen.
Ursprünglich hatte die Partei auf dem vergangenen Parteitag beschlossen, dass erst einmal ein Konzept für einen Diäten-Deckel entwickelt und später, spätestens bis 2027, eine vorgeschlagene Satzungsänderung beschlossen werden solle. Im aktuellen Papier taucht von dieser verpflichtenden Änderung plötzlich nichts mehr auf. Für Ramelow ist das ein echtes No-Go – seiner Ansicht nach wurde ein zentraler Auftrag ausgehebelt. Für ihn ist klar: Solche Drehungen und Wendungen höhlen das Vertrauen in die Partei aus. Sein Vorschlag? Der Antrag der Parteiführung dürfe bis zur Entscheidung einer neutralen Schiedskommission nicht weiter behandelt werden. An einer Sache will er allerdings keinen Zweifel lassen: Übertriebene Diäten und automatische Steigerungen sind für ihn ebenso ein No-Go wie für die Partei – Spenden von Diäten an soziale Projekte hält er für selbstverständlich. Vielleicht liegt die eigentliche Frage also darin, wie strikt Parteien mit eigenen Spielregeln umgehen sollten. Und wie leicht gut gemeinte Ansätze in parteiinternes Chaos umschlagen können.
Der aktuelle Zwist in der Linkspartei dreht sich um die Begrenzung der Abgeordnetendiäten. Während die Parteiführung versucht, per Antrag eine finanzielle Selbstbeschränkung für Mandatsträger einzuführen, kritisiert Bodo Ramelow das Vorgehen scharf und sieht sich von der eigenen Partei übergangen – insbesondere, weil eine verbindliche Satzungsänderung laut Parteitagsbeschluss noch aussteht. Das Thema sorgt weiter für Unruhe, denn die Debatte um politische Vorbildfunktion, soziale Gerechtigkeit und den Umgang mit internen Beschlüssen steht symptomatisch für die angespannten Verhältnisse innerhalb der Linken.
Ergänzende Recherche bringt ans Licht: In verschiedenen Medien wird betont, dass Streit um Gehälter bei den Linken auch das öffentlich ohnehin angespannte Image der Partei weiter schwächt. Der Antrag könnte zudem juristische Fallstricke bergen, etwa in Hinblick auf das Abgeordnetengesetz und verfassungsrechtliche Rahmenbedingungen – diese Grauzonen werden von Experten unterschiedlich bewertet. Gleichzeitig ist das Thema Abgeordnetendiäten angesichts wachsender Politikverdrossenheit und Debatten um Politikergehälter in Deutschland gesellschaftlich brisanter denn je, was die öffentliche Wahrnehmung der Partei direkt beeinflussen dürfte.