Parlamentswahl in Ungarn: Magyar spricht von einem Tag mit Signalwirkung

Nach dem Ende der Abstimmung in Ungarn sieht sich Péter Magyar, Kopf der Partei Tisza, im Aufwind. Er spricht am Sonntagabend von einem Tag, der Geschichte schreiben könnte – und bleibt zugleich vorsichtig optimistisch.

heute 20:28 Uhr | 4 mal gelesen

Magyar, eher zurückhaltend, aber nicht ohne Hoffnung, stellte am Wahlabend klar: Zuversicht ja – aber abwarten sei angesagt. Die zuletzt veröffentlichten Umfragen, auf die viele schielten, räumten ihm sogar die Favoritenrolle ein. Gleichzeitig ließ er sich nicht auf Sticheleien ein, sondern forderte Gelassenheit und Frieden – kein Triumphgestus, kein Lautwerden. Nebenbei bemerkt: Nachwahlbefragungen wie in Deutschland? Fehlanzeige in Ungarn. Die wichtigsten Zahlen basieren auf einer Erhebung des 21 Research Centers für Telex, das Tisza mit 132 von 199 Sitzen vorn sieht – ein fast schon schwindelerregendes Ergebnis für eine bis dato kaum präsente Partei. Das würde genügen, um die Verfassung zu ändern. Ein Novum. Orbáns Fidesz-Partei, die noch vor vier Jahren einen Triumph feierte, scheint dagegen mit 61 Mandaten meilenweit zurückzufallen. Und bei Mi Hazánk Mozgalom sowie weiteren kleinen Parteien reicht es nur für vereinzelte Plätze oder bestenfalls das Wackeln an der Fünf-Prozent-Hürde. Eigenartig ist auch: Ein weiteres Meinungsforschungsinstitut, Median, lieferte Ähnliches. Allerdings bleibt abzuwarten, wie zuverlässig diese Zahlen letztlich wirklich sind, denn das Wahlsystem ist nicht gerade simpel gestrickt; Orbáns mehrstufige Reformen ab 2011 beeinflussen das Ergebnis nicht unerheblich. Mehr als die Hälfte der Parlamentssitze wird nämlich direkt vergeben – aber der Rest nach einem ziemlich verschachtelten Prinzip, inklusive Nachzählung und Spezialberechnungen aus unterlegenen Stimmen. Wer am Ende vorne liegt, zeigt sich vermutlich erst spät in der Nacht.

In Ungarn scheint die Parlamentswahl zu einem Wendepunkt zu werden, denn laut Nachwahlumfragen führt Tisza mit Péter Magyar überraschend deutlich. Allerdings ist die Situation nicht eindeutig, da die letzten Hochrechnungen und das komplizierte Wahlsystem Unsicherheit schaffen. Auch internationale Analysten sind sich uneins, wie sich der mögliche Machtwechsel auf Rechtsstaatlichkeit und Ungarns EU-Kurs auswirken würde. Am Rande der Wahl wurde zudem berichtet, dass die Zivilgesellschaft und unabhängige Medien unter Druck stehen, was Auslandskorrespondenten als Signal für demokratische Defizite deuten. Und weil die Wahlbeteiligung ungewöhnlich hoch war, schauen auch Brüssel und Berlin genau hin: Ein politischer Kurswechsel in Budapest könnte weit über die Landesgrenzen hinaus Echo finden.

Schlagwort aus diesem Artikel