Uniper-Chef: Gasversorgung im kommenden Winter wohl gesichert – aber Problemzonen bleiben

Michael Lewis, der Chef von Uniper, hält einen Gasmangel in Deutschland im nächsten Winter für unwahrscheinlich – allerdings warnt er vor trügerischer Sicherheit.

heute 09:00 Uhr | 1 mal gelesen

Manchmal haben Prognosen einen Hauch von Kaffeesatzleserei, aber Michael Lewis, der Boss von Uniper, wagt es dennoch. 'Es gibt vermutlich genug Gas', meint er zur FAZ, auch wenn – hypothetisch gesprochen – der Nahe Osten länger blockiert bliebe. Klar, durch die Straße von Hormus fließt etwa ein Fünftel des weltweiten LNG-Handels. Das klingt bedrohlich, doch schaut man genauer hin, sind das lediglich drei Prozent des gesamten weltweiten Gasmarkts. Irgendwie paradox: Viel Einfluss auf den Preis, aber mengenmäßig eher moderat relevant. Und der Preis wiederum – den beobachtet der Markt unruhig, aber bislang mit der Erwartung auf Stabilisierung. Spitzt sich die Lage allerdings wirklich zu, könnte Gas bald wieder richtig teuer werden. Doch es geht eben nicht nur um Wirtschaft; der Nahe Osten-Konflikt blockiert beispielsweise auch Düngerexporte, was wiederum die Ernährungssicherung weltweit erschweren kann. Da merkt man, wie stark alles miteinander verzahnt ist, selbst wenn das meistens nur als Zahl in Tabellen auftaucht. Zurück zum Inland: In Deutschland wächst laut Lewis neuerdings der Speicherstand – aber nicht schnell genug. 'Die Füllung der Gasspeicher braucht Tempo', mahnt er, selbstkritisch, da Uniper einen Speicher wegen Unwirtschaftlichkeit zur Schließung angemeldet hat. Sollte der Nachschub-Puffer nicht bald dicker werden, drohen Engpässe im Winter. Mittelfristig schielt Lewis auf Frankreichs Preissicherungsmodell: Dort garantieren Verträge bestimmte Energiepreise. Die österreichische Variante – strategische Reserve – sei für ihn hingegen nur zweite Wahl. Der Uniper-Konzern selbst hat sein Krisen-Image abgeschüttelt, fühlt sich jetzt widerstandsfähig, und eine spezielle Richtung für die geplante Reprivatisierung gibt Lewis auch nicht vor. Er zeigt sich gelassen: Verkauf oder Börsengang – beides hätte Vor- und Nachteile, sagt er. Am Ende entscheide die Regierung. Dass Uniper fast vollständig vom Staat aufgefangen werden musste, als Russland 2022 plötzlich kein Gas mehr lieferte, ist für Lewis offenbar abgehakt. Aber ganz ehrlich? So ganz kann man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass das Kapitel noch nicht aus dem öffentlichen Gedächtnis getilgt ist.

Uniper-Chef Michael Lewis schätzt die Gefahr einer Gasmangellage in Deutschland für den kommenden Winter als gering ein, weist aber auf den schleppenden Anstieg der Gasspeicherstände hin. Die Abhängigkeiten vom Nahen Osten seien gering, doch könnten langfristige Störungen die Preise treiben und global für Engpässe sorgen, vor allem auch bei Düngemitteln, was letztlich die Nahrungsmittelversorgung bedroht. Er spricht sich für eine Preisregulierung nach französischem Vorbild aus, während er das österreichische Modell als weniger passend für Deutschland betrachtet. Aktuelle Entwicklungen auf dem Gas- und Energiemarkt verstärken die Debatte um Versorgungssicherheit und geopolitische Risiken: Nach Recherchen der taz lässt sich ein leichter Rückgang beim Gasspeichern feststellen, während der SPIEGEL vor den Folgen anhaltender Hitzewellen auf Energieinfrastruktur warnt. Die ZEIT befasst sich mit erneuten politischen Diskussionen um die strategische Ausrichtung der deutschen Gasbranche, angesichts der steigenden globalen Unsicherheiten.

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