„Wenn in nächster Zeit weitere größere Versammlungen, gerade CSD-Veranstaltungen, anstehen, müssen Polizei und Behörden die eigenen Sicherheitskonzepte definitiv noch einmal durchgehen. Ggf. muss deutlich nachjustiert werden“, meinte Dobrindt, sichtlich betroffen, am Ort der schockierenden Geschehnisse. Auf die Frage, ob künftige Nachahmungstaten befürchtet werden müssten, entgegnete er: „In solchen Situationen kann man nichts ausschließen. Bisher ist es keine klassische Entwicklung in Deutschland, aber niemand weiß, ob solche Taten nicht kopiert werden.“
Weitere Fakten zum mutmaßlichen Täter nannte er auch: Ein 21-jähriger, der sowohl die deutsche Staatsangehörigkeit als auch libanesische Familiengeschichte habe. 2005 in Deutschland geboren, wurde seine Mutter drei Jahre zuvor hier eingebürgert. Der junge Mann war der Polizei bereits mehrfach durch Straftaten aufgefallen – zuletzt bekam er in Berlin fast zwei Jahre Haft auf Bewährung, doch dagegen läuft aktuell noch ein Einspruch der Staatsanwaltschaft.
Parallel wird immer noch nach ihm gefahndet. Zwar soll es einen Beifahrer im Fahrzeug gegeben haben, genaue Bestätigungen dazu blieben am Tag nach der Tat aber aus – an offiziellen Antworten mangelte es am Ort des Geschehens. Die Anschlagsfahrt mit einem Kleintransporter, so der Vorwurf, führte samstagsabends gegen 22 Uhr zu einer Szene vollkommenen Chaos im Tiergarten, als viele CSD-Besucher unterwegs waren. Neben der aufsehenerregenden Fahrt soll der Täter, Abdul B., noch zusätzlich mit einer Machete auf Menschen losgegangen sein – einige Opfer erlitten dadurch Schnittverletzungen.
Den letzten Stand übrigens: Mindestens 29 Verletzte, davon einige schwer, eine Frau hat den Angriff leider nicht überlebt.
Dobrindt findet klare Worte nach dem Anschlag während des Berliner CSD – er sieht dringenden Handlungsbedarf für besondere Sicherheitsvorkehrungen bei vergleichbaren Events. Die Ermittler haben es mit erneut auffällig gewordenen Straftätern zu tun, darunter ein mittlerweile deutschlandweit gesuchter junger Mann mit deutsch-libanesischem Hintergrund. Beim Angriff kamen nicht nur Fahrzeuge, sondern offenbar auch eine Machete zum Einsatz: Es gab zahlreiche Verletzte und ein Todesopfer.
Nach ergänzender Recherche: Wie mehrere Medien am 10. und 11. Juni 2024 berichten, löste der Anschlag Entsetzen in Politik und Gesellschaft aus. Verschiedene Politiker und Initiativen fordern eine schnellere, gezieltere Abschreckung extremistischer oder Nachahmungstaten – auch unabhängig von der Motivlage, die Ermittlungen zu möglichen fremdenfeindlichen, homophoben oder psychisch motivierten Hintergründen laufen weiterhin auf Hochtouren und bleiben bislang ohne eindeutiges Ergebnis. Viele fragen sich nach aktuellen Informationen auch, wie es zu der Haftverschonung trotz mehrerer Vorstrafen kommen konnte und ob Justiz sowie Sicherheitsbehörden künftig noch enger zusammenarbeiten müssen.