Kaum hätten es manche noch für möglich gehalten: Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) richtet ihr Büro in Damaskus wieder her – und zwar im August unter Leitung von Anna-Christine Janke. Klar ist dabei: Direkte Unterstützung an die syrische Regierung bleibt außen vor. Das Geld fließt ausschließlich in Projekte, die von den Vereinten Nationen oder Nichtregierungsorganisationen gesteuert werden. Für die KfW stehen erklärtermaßen Investitionen in Wasserversorgung, Gesundheit und Hilfe für Geflüchtete im Fokus. Aber es geht auch darum, wirtschaftliche Impulse zu setzen, etwa indem alte Fabrikanlagen reanimiert werden. Insgesamt sind rund 580 Millionen Euro an Projekten im Rennen. Erinnern wir uns: 2011, mit dem Ausbruch des syrischen Bürgerkriegs, zog sich die KfW Hals über Kopf aus dem Land zurück. Erst seit 2025 arbeitet sie – laut eigener Auskunft – behutsam an einem Neubeginn. Ganz interessant: Erst kürzlich war der syrische Interimspräsident Ahmed al-Scharaa zu Besuch in Berlin. Bundeskanzler Merz versprach dabei, KfW und GIZ schnellstmöglich wieder nach Damaskus zu holen. Geschichte scheint sich also, in modifizierter Form, zu wiederholen – oder zumindest weiterzuschleppen.
Die Rückkehr der KfW nach Syrien ist mehr als eine organisatorische Randnotiz: Sie markiert eine Neubewertung des internationalen Umgangs mit dem Assad-Regime und dem Wiederaufbau in einem Land, das sich nach Jahren des Krieges noch immer in einer Krise befindet. Nach Angaben der Frankfurter Allgemeinen Zeitung betont die KfW, den syrischen Staat weiterhin nicht direkt zu finanzieren, sondern gezielt Strukturen für die Versorgung der Bevölkerung und humanitäre Zwecke zu stärken (wie Krankenhäuser, Wasseranlagen, Basisdienste). Die internationale Gemeinschaft diskutiert allerdings kritisch, ob und wie Hilfe für den Wiederaufbau das Regime stützen könnte – eine Debatte, die auch durch die verstärkte Rückkehr westlicher Organisationen neue Brisanz erhält.