Dirk Roßmann, der bekannte Gründer der Drogeriekette, hat ein klares Anliegen: Er möchte, dass Vermögende in Deutschland weit mehr tun als nur ihren steuerlichen Verpflichtungen nachzukommen. Wer viel erreicht hat, so Roßmann, trage auch die Verantwortung, die Früchte seines Erfolgs zu teilen.
Ein doppelter Appell an die Wohlhabenden
Im Austausch mit mehreren Regionalzeitungen unterscheidet Roßmann zwei "Arten" reicher Unternehmer: Die einen denken seiner Meinung nach gar nicht daran, sich sozial einzubringen – von denen erwartet er gar nichts. Die anderen engagieren sich zwar, bleiben aber so unsichtbar, dass ihre Taten in der Öffentlichkeit praktisch nicht stattfinden. Beides, findet er, sei schwierig.
Insbesondere hebt Roßmann hervor, er lege selbst Wert auf direkte Hilfe. Bei seinem eigenen Engagement achtet er genau darauf, dass Unterstützung nicht in Verwaltung oder großen Organisationen verlorengeht, sondern spürbar Menschen hilft – möglichst ohne Umwege. Er bleibt damit pragmatisch, sogar etwas misstrauisch gegenüber dem, was manche als „Wohltätigkeitsindustrie“ bezeichnen würden.
80 Jahre – neue Perspektiven
Roßmann, der Gründer und Namensgeber von „Rossmann“, ist gerade 80 geworden. Vor fünf Jahren hat er den Chefposten an seinen Sohn abgegeben. Heute schaut er – meistens aus dem Hintergrund – auf die Entwicklung der Firma.
Er selbst kommt nur noch ein, zwei Tage pro Woche ins Büro, zieht dafür aber gesellschaftliche Fragen verstärkt in den Blick. Die Verantwortung für Tagesgeschäft und Zukunft des Unternehmens ist längst bei einer neuen Generation gelandet.
Digitale Abstinenz des Seniorchefs
Was viele überrascht: Roßmann hält sich digital auffallend zurück. Sein Handy ist alt (richtig alt!), Computer und SMS interessieren ihn nicht die Bohne. Er ruft lieber an, schreibt nie zurück.
Menschen schwärmen ihm vor, wie digital alles Zeit spart. Roßmann kontert – aus seiner Sicht kommt eher das Gegenteil heraus: Digitale Kommunikation koste Lebenszeit, statt sie zu schenken. Sein Bedürfnis nach dem direkten Wort bleibt, fast wie ein Statement gegen die Beschleunigung unserer Tage.
Gesellschaftliche Verantwortung in unsicheren Zeiten
Roßmanns Appell fällt in eine Zeit, in der in Deutschland wieder heftig über Superreiche, Steuerpflichten und das richtige Maß unternehmerischen Engagements gestritten wird. Es gibt mehr Stiftungsgelder, satte CSR-Budgets – und trotzdem bleibt das Gefühl, dass die soziale Schere wächst.
Mit seiner Sicht auf konkrete, direkte Hilfsaktionen kritisiert Roßmann indirekt auch die Trägheit großer Organisationen. Viele, so seine Beobachtung, richten sich lieber auf Projekte aus, wo sie den Effekt vor Ort selbst sehen können. Ein Dilemma: Große gesellschaftliche Herausforderungen brauchen oft mehr als punktuelle Hilfe.
Generationenwechsel mit Signalwirkung
Besonders interessant: Roßmann tritt mit seinen Forderungen gerade zu dem Zeitpunkt auf die Bühne, an dem er sich aus dem Alltagsgeschäft weitgehend verabschiedet hat. Er nutzt die neue Freiheit, um als gesellschaftlicher Mahner aufzutreten. Seine Skepsis gegenüber digitaler Kommunikation klingt bewusst altmodisch – und betont, dass Verantwortung Menschlichkeit braucht, nicht nur Effizienz.
Unterm Strich macht die Debatte klar: Gesellschaftlicher Beitrag lässt sich nicht allein an Steuern oder Gesetzen messen. Persönliches Engagement, Einfluss, Zeit – auch das zählt. Roßmanns Wunsch: Dass Menschen, die ohnehin helfen, endlich mehr Anerkennung bekommen – und dass andere wachgerüttelt werden.
Kernforderung: Gesellschaftliches Engagement über Steuern hinaus
Dirk Roßmann redet Tacheles: Reiche in Deutschland könnten viel mehr tun, als „nur“ ihre Pflichten zu erfüllen. Einen Wandel im Denken erkennt er zwar, aber echte Vorbilder fehlen ihm noch zu oft.
Kritik an großer Wohltätigkeit und der Wunsch nach Sichtbarkeit
Seine Unterscheidung – zwischen „unsichtbaren“ Förderern und denen, die gar nicht auftauchen – bringt einen bekannten Zwiespalt auf den Punkt: Warum verstecken sich gute Taten? Stimmen aus der aktuellen Presse zeigen, dass auch andere wohlhabende Unternehmer die Sichtbarkeit philanthropischer Initiativen wichtiger finden als früher.
Aktuelle Entwicklungen und Debatten
Laut Süddeutsche Zeitung sind Spenden von Unternehmen 2023 trotz Wirtschaftsflaute gestiegen. Die FAZ berichtet, dass die Diskussion um eine neue Reichensteuer in den letzten Tagen an Fahrt gewonnen hat, wobei sich Unternehmer gespalten zeigen. Und auf Die Zeit kommentieren zahlreiche Leser die Frage, ob Stiftungen in Krisenzeiten ausreichend Verantwortung übernehmen.
Internet-Recherche und Ergänzungen
Aktuell meldet die T3N, dass immer mehr Unternehmer auf kleine, lokale Initiativen setzen – wohl auch, weil so die gesellschaftliche Wirkung sichtbarer wird. Laut Deutsche Welle wächst der öffentliche Druck auf Superreiche, Engagement offener zu zeigen und mit gutem Beispiel voranzugehen. Ein Artikel bei Der Spiegel thematisiert den Rollenwandel vieler Firmengründer, die sich nach dem Ausscheiden aus dem Alltag bewusst stärker gesellschaftlichen Themen widmen.