Paula Piechotta warnt: Wer auf Psychotherapie wartet, braucht künftig noch mehr Geduld

Die Grünen-Abgeordnete und Gesundheitspolitikerin Paula Piechotta gibt zu bedenken: Mit der geplanten Begrenzung der Abrechnungen für Psychotherapeuten könnten Wartezeiten auf dringend benötigte Therapieplätze noch länger werden.

heute 06:28 Uhr | 4 mal gelesen

Ein paar Zahlen zum Einstieg: Auf durchschnittlich einen freien Psychotherapieplatz kommen je nach Region bereits jetzt Wochen, manchmal sogar Monate der Geduld – oder eher des Wartens. Jetzt könnte sich dieses Dilemma zuspitzen. Wenn, so warnt Piechotta, Psychotherapeutinnen und -therapeuten künftig strikter begrenzen müssen, wie viele Behandlungen sie abrechnen dürfen, 'zieht sich das Warten auf Therapieplätze wohl vielerorts weiter in die Länge'. Piechotta hält die geplanten Kürzungen für fehlgeleitet. Zwar sähen viele, dass das Gesundheitssystem sparen muss – aber ausgerechnet bei den psychotherapeutischen Leistungen? Immerhin machen deren Ausgaben lediglich ein Prozent der Gesamtaufwendungen der Krankenkassen aus, das sind rund 3,8 Milliarden Euro im Jahr. Ihr Vorschlag: Viel wirkungsvoller wär’s aus ihrer Sicht, bei den teuren patentgeschützten Medikamenten zu sparen. Für die gibt die gesetzliche Krankenversicherung jährlich rund 60 Milliarden Euro aus. Auch habe die Politik Sparpotenzial verschenkt, da die Verschärfungen für diesen Bereich abgemildert wurden. Mehr Fachkräfte könnten helfen, aber auch das allein reicht nicht. ‘Wer soll die denn bezahlen?’ fragt Piechotta, und bringt damit – wie ich finde – einen immer unterschätzten Punkt ins Spiel. Gerade weil psychische Beeinträchtigungen zunehmen, will sie vor allem in Prävention investieren. Klingt sinnvoll. Aber ob sich dieser Ansatz durchsetzt, ist noch unklar. Besonders in Zeiten, in denen schnelle finanzielle Einsparungen oft mehr zählen als langfristige Gesundheit.

Paula Piechotta warnt, dass die Budgetierung psychotherapeutischer Leistungen zu einer weiteren Verschärfung der ohnehin kritischen Wartezeiten auf Therapie führen wird. Sie hält Einsparungen hier für wenig sinnvoll, da die Ausgaben gering ins Gewicht fallen im Vergleich zu anderen Kostenblöcken, zum Beispiel patentierter Medikamente. Laut aktuellen Berichten aus verschiedenen Quellen ist politisch umstritten, inwieweit das Sparpotenzial bei Medikamenten tatsächlich realisierbar wäre – einige Expert*innen äußern zudem Bedenken, dass Budgetierungen langfristig zu Versorgungsengpässen führen und psychische Erkrankungen unbehandelt bleiben. Der Reformdruck im Gesundheitssystem steht einer immer größer werdenden Nachfrage nach Psychotherapie-Angeboten gegenüber. Während die Ampelkoalition häufig die Bedeutung der Prävention betont, bleibt offen, wie schnell konkrete Verbesserungen spürbar würden. Auch die Opposition kritisiert, dass Budgetkürzungen bei Therapien am Ende sozial und gesundheitlich teuer werden könnten.

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