Verband der deutschen Reeder irritiert über deutsches Zögern beim Schutz von Handelsschiffen

Das überraschende Nein der Bundesregierung zu Militäreinsätzen für den Schutz deutscher Handelsschiffe im Persischen Golf stößt beim Verband der deutschen Reeder auf Unverständnis.

heute 14:54 Uhr | 3 mal gelesen

Die sieben wichtigsten Industrienationen, zu denen natürlich auch Deutschland gehört, hätten sich gerade erst darauf geeinigt, die Durchfahrt ziviler Schiffe im Persischen Golf zu sichern, so der Verband der deutschen Reeder (VDR) gegenüber dem Spiegel. Aus Sicht der Reeder sollte Deutschland daher genau abwägen, wie es seine Schifffahrt und die Besatzungen schützen will – nicht zuletzt, weil ein einfacher Glaube an Ruhe und Glück kaum einer klugen Strategie gleichkommt. Trotzdem zeigte sich Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) sehr zurückhaltend. Er glaubt, dass mehr Kriegsschiffe in der Region gar nichts mehr bringen würden. Und CDU-Chef Friedrich Merz findet sogar, Deutschland müsse gar nicht erst über Militärschutz nachdenken: "Wir sind nicht Teil dieses Konflikts und wollen es auch nicht werden", so Merz. Allerdings hatten die G7-Regierungen noch vor wenigen Tagen beschlossen, eng zusammenzuarbeiten und Pläne für internationale Schutzmaßnahmen im Golf zu prüfen. Aktuell fahren mehr als 40 Schiffe mit deutschem Bezug durch die gefährdete Region, berichtet der VDR unter Berufung auf die Marine. Rund 1.000 Seeleute arbeiten darauf. Noch viel drastischer aber: Über 2.000 Schiffe insgesamt sollen im Persischen Golf festhängen, 20 wurden bereits angegriffen, teils mit tödlichen Folgen. Am Donnerstag hatte es sogar erstmals ein deutsches Schiff getroffen – glücklicherweise konnte das Feuer gelöscht werden, doch die Bedrohung bleibt real.

Der Verband der deutschen Reeder reagiert verwundert auf die ablehnende Haltung der Bundesregierung zu Militäreinsätzen beim Schutz deutscher Handelsschiffe im Persischen Golf und appelliert, dass mehr Initiative und internationale Zusammenarbeit nötig seien. Während Teile der Politik einen militärischen Schutz als derzeit nicht notwendig ansehen, befürchten die Reeder, dass die passiv-abwartende Strategie angesichts der steigenden Gefahren keine ausreichende Sicherheit für Schiffe und Besatzungen gewährleistet. International verdichten sich die Anzeichen, dass die Bedrohungen real sind: Mehrere Schiffe wurden angegriffen und teils schwer beschädigt – die Forderung nach Schutzmaßnahmen und gemeinsamer Verantwortung wächst daher auch auf globaler Ebene. Aktuelle Recherchen zeigen, dass die Lage im Persischen Golf weiterhin angespannt bleibt, insbesondere nach weiteren Zwischenfällen mit Handelsschiffen in der Region. Laut "Tagesspiegel" und "Spiegel Online" gibt es in der EU laufende Gespräche über einen möglichen neuen EU-Marineeinsatz zum Schutz der Schifffahrt, doch Uneinigkeit herrscht besonders in Deutschland über die Rolle der Bundeswehr und die politischen Konsequenzen. Die USA verstärken unterdessen ihre Präsenz im Golf und warnen vor zunehmender Gefahr für internationale Schifffahrt; Gleichzeitig setzen Reedereien und Versicherungen auf eigene Risikoanalysen und Notfallpläne, da staatlicher Schutz kurzfristig nicht sicher zu erwarten ist.

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