Industrie zeigt wieder mehr Mut zu Investitionen

Die deutschen Unternehmen blicken bei ihren Investitionen für dieses Jahr etwas optimistischer in die Zukunft – vor allem die Industrie setzt wieder auf Wachstum.

heute 07:53 Uhr | 4 mal gelesen

Es ist nicht zu übersehen: Die zuletzt vom Münchner Ifo-Institut gemessene Investitionsstimmung erfährt einen vorsichtigen Umschwung. Im März lag der entsprechende Wert bei +0,2, eine kleine, aber bemerkenswerte Steigerung seit Dezember, wo Deutschland noch bei -3,1 dümpelte. Wie Ifo-Konjunkturchef Timo Wollmershäuser einräumt, sorgt die anziehende Auftragslage zwar für leicht aufgelockerte Mienen in den Chefetagen. Aber die Freude wird durch höhere Energiekosten – unter anderem infolge der angespannten geopolitischen Lage wie dem Iran-Konflikt – und einen allgemeinen Anstieg der Unsicherheit gebremst. Interessant: Am offensivsten agiert in Sachen Investitionen das produzierende Gewerbe abseits der besonders energiehungrigen Sektoren. Dort wagt man sich wieder aus der Reserve, das zeigen die Zahlen: Der Saldo stieg von -6,4 auf +2,0. Im Maschinenbau schwenkten die Erwartungen sogar von tiefrot auf leicht grün (von -8,6 auf +2,1), und im Fahrzeugbau verzeichnete man ein sattes Plus von +2,9 auf +14,8 – das ist fast schon ein kleiner Befreiungsschlag. Doch bei den energieintensiven Betrieben bleibt die Zurückhaltung. Chemie zum Beispiel – die Zahlen sind hier noch düsterer als zuvor. Offenbar ist die Unsicherheit zu groß, und die Energiepreise drücken weiter. Der Saldo: weiter festgezurrt bei um -9 Punkte; Chemie sogar zurück auf -16,2. Ein Hoffnungsschimmer: Forschung und Entwicklung bekommen wieder mehr Aufmerksamkeit – etwa im Maschinen- und Fahrzeugbau. Noch im Dezember standen Streichungen im Raum, jetzt drehen die Investitionszeiger ins Positive (+1,2 nach -4,1). Besonders Software-Investitionen sind gefragt, wohl auch befeuert durch den Schub rund um Künstliche Intelligenz, wie Ifo-Forscherin Lara Zarges bemerkt. Bei Handel bleibt die Skepsis, fast störrisch: Die Erwartungen ziehen kaum an (Saldo: -9,6 wie zuvor). Die Dienstleister hingegen halten an ihrem leichten Optimismus fest – sie legen bei den Investitionsplänen sogar noch etwas zu.

Deutschlands Industrie tastet sich nach einer Durststrecke vorsichtig zurück auf das Investitionsparkett, vor allem, weil sich die Auftragslage verbessert hat. Während Branchen mit hohem Energiebedarf weiterhin den Fuß auf der Bremse haben – teils aus Angst vor unberechenbaren Energiepreisen und geopolitischen Risiken –, preschen andere Sektoren wie Maschinenbau und Fahrzeugbau leicht vor. Software und Künstliche Intelligenz werden als neue Hoffnungsträger für Investitionen gesehen; dennoch bleibt der Handel weiterhin zurückhaltend. In aktuellen Berichten der letzten zwei Tage wird das Bild bestätigt: Die Stimmungslage in der deutschen Wirtschaft ist insgesamt von Hoffnung auf Besserung geprägt, gerade in Hightech-Bereichen, auch weil die Politik an neuen Fördermechanismen für Zukunftstechnologien arbeitet. Gleichzeitig berichten mehrere Wirtschaftsseiten, dass die Unsicherheit wegen internationaler Krisen wie Nahost oder Ukraine, und die gestiegenen Energiepreise, die Investitionslust weiterhin bremsen. (siehe dazu auch die aktuellen Analysen des Ifo-Instituts sowie Berichte auf Zeit Online und FAZ)

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