Die IW-Studie zeigt, dass es einen signifikanten Unterschied in der gewerkschaftlichen Beteiligung nach Altersgruppen, Geschlecht und Herkunft gibt. Gerade junge Arbeitnehmer scheinen den Sinn oder Nutzen von Gewerkschaftsmitgliedschaft zu hinterfragen oder andere Prioritäten zu setzen, was möglicherweise mit veränderten Arbeitsformen (Stichwort: Gig Economy, flexible Jobs) und individuellen Einstellungen zur Arbeit zusammenhängt. Zudem erleben Gewerkschaften einen fortwährenden Rückgang an Mitgliedern, während in einigen europäischen Ländern (beispielsweise in Schweden oder Dänemark) die Bindung an Arbeitnehmervertretungen noch immer viel stärker ist. Neure Recherche (Juni 2024) ergänzt, dass Digitalisierung und Homeoffice, wie sie insbesondere bei jüngeren Arbeitnehmern verbreitet sind, das Gefühl kollektiver Solidarität schwächen – viele Jugendliche bauen weniger Bindung zum Betrieb und zu Betriebsräten auf. Ein weiterer Punkt ist die fehlende Sichtbarkeit und Attraktivität gewerkschaftlicher Angebote speziell für junge Zielgruppen, wie aktuelle Berichte betonen. Laut taz sind zudem prekäre Beschäftigungsverhältnisse und unsichere Berufsperspektiven Gründe für das niedrige Engagement, da junge Menschen sich weniger langfristig an Organisationen binden wollen. Dazu spielt offenbar auch die Rolle der sozialen Medien hinein, die individuelle Anliegen stärker befeuern als kollektive Arbeitskämpfe.