Manchmal fragt man sich ja, ob irgendwer das Kleingedruckte liest, wenn in Berlin neue Reformen gezimmert werden. Steiners’ Frust ist jedenfalls spürbar, fast greifbar: Über 93 Kassen und 17 Versorgungsbezirke verteilen sich in Deutschland die Verantwortlichkeiten – eine strukturelle Zersplitterung, die nach Steinschleudern schreit. Die geplante Reform, so Steiners, kümmert sich haarklein um Details, geht aber dem großen Ganzen aus dem Weg. Warum so kompliziert, fragt man sich? Statt schicker Überschriften und weiterer Bürokratiemonster schlägt er den Brückenschlag zu digitalen Lösungen und modernen Therapien vor, die aus seiner Sicht im Alltag verpuffen. 'Über 20 Milliarden Euro könnten wir einsparen, würden wir neu denken', ruft er in den Chor der Reformrufer – kein Pappenstiel. Interessant ist sein Seitenhieb auf die Bundesregierung selbst: erst reden, dann nichts liefern. Frische Erinnerungen an Regierungsgipfel, Hoffnungen auf Pharma als Zugpferd – dann, so Steiners, wieder nur eins: Planungsunsicherheit. Subventionen? Brauchts gar nicht, meint er. Aber Verlässlichkeit wäre schon mal ein Anfang. Seine Warnung ist ebenso klar wie dramatisch: Ohne überzeugende Industriepolitik sei nicht nur Stillstand, sondern Abwanderung programmiert. Deutschland, so sein O-Ton, reiße schon wieder Brücken hinter sich ab.
Steiners argumentiert, dass die von Nina Warken vorgestellte Gesundheitsreform am eigentlichen Problem, nämlich den ineffizienten Strukturen, vorbeizielt. Er rechnet vor, dass mit konsequenter Digitalisierung und dem Einsatz innovativer Therapieformen bei den gesetzlichen Kassen Milliardenbeträge gespart werden könnten – exakt die Summe, die die aktuelle Reform adressiert. Kritisch merkt er an, dass politische Ansagen immer wieder ins Leere laufen, was am Ende zu einem echten Risiko für den Pharmastandort Deutschland werden könnte. Tatsächlich hat die Pharmaindustrie wiederholt darauf hingewiesen, dass lange Zulassungswege, Zersplitterung und ausbleibende Reformen Innovationen bremsen (Aktuelle Details etwa auf faz.net und sueddeutsche.de). Und: In den letzten Tagen zogen Branchenverbände und andere Pharmachefs ebenfalls nach und beklagten, dass die aktuelle Reform wenig Mut für grundlegende Veränderungen zeige. Auch international wächst der Druck; Länder wie Dänemark und die Schweiz locken unterdessen mit schnelleren Prozessen und besseren Bedingungen für Pharmaunternehmen.