Kritik aus der Finanzbranche: Bundesregierung setzt bei der Rente die falschen Akzente

Deutschlands Vermögensverwalter sehen die Rentenpolitik der Bundesregierung kritisch – viele Vorschläge greifen zu kurz, sagen die Chefs von Union Investment und Lupus Alpha. Vor allem bei der Frühstartrente und der Förderung privater Vorsorge gäbe es deutlichen Nachbesserungsbedarf.

heute 07:32 Uhr | 7 mal gelesen

Unverblümte Worte zum Thema Altersvorsorge: Ralf Lochmüller von Lupus Alpha macht seinem Unmut über die Frühstartrente Luft. Zehn Euro extra im Monat nach sechs Jahren seien wenig mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein. Er wünscht sich Spielräume für unbegrenzte Zuzahlungen und mahnt, Altersvorsorge müsse ganzheitlicher gedacht werden – im Grunde ein Lebensprojekt von der Kindheit bis ins Rentenalter, nicht bloß ein bürokratischer Akt.

Hans Joachim Reinke von Union Investment sieht die junge Generation mittlerweile am Kapitalmarkt aktiver werden – Misstrauen in die klassische Rente und der Drang, selbst vorzusorgen, seien Haupttreiber. Allerdings laufe dabei manches schief: Viele steigen auf riskante Anlagen wie Kryptowährungen ein, weil ihnen schlicht das Finanzwissen fehlt. So können teure Fehler passieren, die später kaum mehr zu korrigieren sind. Lochmüller zeichnet noch ein düstereres Bild: Er hält die gesetzliche Rente für unreformierbar. „Wir hätten vor Jahrzehnten mit Aktienfonds für die Rente beginnen müssen. Jetzt ist es zu spät, auf den skandinavischen Zug aufzuspringen.“

Während Reinke die private Altersvorsorge voranbringen will, schlägt Lochmüller eine breitere betriebliche Altersvorsorge vor. Sein Ziel: Fast jeder Arbeitnehmer solle eingebunden werden. Kritik gibt es reichlich – und Rezepte, die allesamt nach mehr Mut in der Rentenpolitik klingen.

Die führenden Köpfe der deutschen Fondsbranche kritisieren deutliche Schwächen in der Rentenpolitik der Bundesregierung. Besonders die Frühstartrente überzeugt sie kaum – zu wenig Geld, zu eng gedacht. Gefordert wird eine grundlegende Neuausrichtung, mehr Flexibilität bei privaten Einzahlungen und zugleich viel bessere finanzielle Bildung für junge Menschen. Die Finanzbranche beobachtet, dass viele Junge zunehmend auf den Kapitalmarkt oder riskante Alternativen wie Kryptowährungen setzen, weil sie das Vertrauen in die gesetzliche Rente verlieren. Das ist nicht nur eine Konsequenz politischer Versäumnisse, sondern auch das Resultat fehlender Aufklärung über Chancen und Risiken bei der Geldanlage. Einig sind sich die Experten: Ohne eine breite Reform – ob durch Stärkung betrieblicher oder privater Vorsorge – wird der Generationenvertrag instabil. Ergänzend zeigen aktuelle Recherchen, dass die neue Rentenreform der Bundesregierung weiterhin umstritten bleibt. Laut 'Süddeutsche Zeitung' gibt es sogar innerhalb der Ampel-Koalition Streit über die Finanzierung, wobei Experten die Nachhaltigkeit der Pläne kritisch hinterfragen. Die 'Zeit' berichtet, dass die jüngst beschlossene Aktienrente zwar Ambitionen in Richtung Kapitaldeckung andeutet, aber bislang eher Symbolcharakter habe als echte Problemlösung. Bei 'FAZ' wird hervorgehoben, dass viele Bürger zunehmend fürchten, im Alter abgehängt zu werden. Die politische Antwort auf diese tiefsitzenden Unsicherheiten steht bisher noch aus.

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