Mastercard streckt Fühler nach Kooperation mit digitalem Euro aus

Mastercard-Chef Michael Miebach signalisiert deutliche Offenheit für eine Zusammenarbeit beim kommenden digitalen Euro und setzt damit ein Ausrufezeichen in Richtung Europa.

heute 15:22 Uhr | 3 mal gelesen

Michael Miebach, Chef von Mastercard und einziger Deutscher an der Spitze eines US-Großkonzerns – was an sich ja schon fast kurios anmutet –, bringt sein Unternehmen geradezu selbstbewusst ins Spiel, wenn es um den geplanten digitalen Euro geht. „Solchen Schritten stehen wir offen gegenüber!“, ließ er das Handelsblatt wissen. Man habe sich schon in anderen Weltregionen mit digitalen Währungen ausgetobt, da sei Europa also keine völlige Terra incognita mehr. Ehrlicherweise merkt er allerdings an, dass der zunehmende Wunsch nach eigenen europäischen Bezahlsystemen für ihn nachvollziehbar sei – schließlich will doch niemand, dass die Daten immer jenseits des Atlantiks landen. In den letzten Jahren hat Mastercard laut Miebach deshalb investiert wie ein Hobbygärtner im Frühling, natürlich vor allem, um Technologien und Datenhaltung näher an den eigentlichen Märkten zu parken. Noch ein Schlenker: Auf die Frage zu möglichen Zinshöchstgrenzen für Kreditkarten – eine Debatte, die Präsident Trump in den USA angestoßen hat – reagiert Miebach entspannt, fast schon stoisch. Selbst wenn die Amis ihre Kreditkarten plötzlich links liegenlassen, sieht er für Mastercard keine größere Schieflage: „Solange unsere Systeme genutzt werden, ob Kredit- oder Debitkarte, bleibt für uns im Grunde alles beim Alten.“ Klingt nicht wirklich nach Krise.

Mastercard bietet sich offen als Partner für die Entwicklung des digitalen Euro an. Miebach betont, dass das Unternehmen aufgrund internationaler Erfahrung im Umgang mit digitalen Währungen und wegen verstärkter Investitionen in europäische Infrastruktur ein geeigneter Kandidat sei. Die Offenheit der Privatwirtschaft für Kooperation signalisiert, dass der digitale Euro nicht bloß ein politisches oder technisches Projekt bleibt, sondern durch den Schulterschluss mit etablierten Zahlungsdienstleistern praktische Reichweite und Vertrauen gewinnen könnte. In aktuellen Diskussionen (Quelle: FAZ, t3n) wird dabei immer wieder betont, dass die Zusammenarbeit zwischen Notenbanken und privaten Akteuren entscheidend für die Akzeptanz bei Konsumenten und Händlern ist. Gleichzeitig sehen Kritiker die Gefahr, dass große US-Unternehmen zu viel Einfluss auf das europäische Zahlungssystem erhalten könnten – eine Debatte, die angesichts von Datenschutz und Souveränität neuen Zündstoff erhält. Zuletzt wurde bekannt, dass die EU-Kommission den digitalen Euro weiter vorantreibt und Regulierungsvorschläge vorbereitet – insbesondere, um eine stärkere Unabhängigkeit von Nicht-EU-Marktführern wie Mastercard und Visa zu erzielen und die Innovationskraft im europäischen Zahlungsverkehr zu stärken.

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