Ehrlich gesagt: So richtig überrascht hat mich die Nachricht nicht, dass die Grünen jetzt einen eigenen Wirtschaftsbeirat aufstellen. Schließlich straucheln gerade viele alte Gewissheiten über „grüne“ Wirtschaftspolitik, während die Ampel-Koalition irgendwie ihre Kompromisse aushandelt. Rund fünfzig Schwergewichte aus Industrie, Handel und Start-ups zählen zu diesem Kreis, wie das "Handelsblatt" berichtet. Für mich besonders spannend: Nicht nur einstige Fans der Grünen sitzen da am Tisch, sondern ebenso Leute wie Eon-Chef Leonhard Birnbaum, die früher eher durch kritische Töne auffielen. Ebenfalls dabei: Stefan Kapferer, heute 50 Hertz, früher FDP-nah – und Dirk Jandura vom Außenhandelsverband.
Katharina Beck, die sich bei den Grünen ums Wirtschafts- und Finanzgedöns kümmert, begründet das so: Im Fokus stünden Leute mit echter Verantwortung für Unternehmen, keine Schönredner. Man wolle „konstruktive, auch mal unbequeme Perspektiven“, die trotzdem handfest sind. Und: Die Mischung mache’s – von Mittelständlern bis DAX-Konzernen. Interessant, wie die Partei ihren Draht zur Wirtschaft nun konkret pflegt – mal sehen, ob wirklich offener Dialog entsteht oder ob das alles nur Schaufenster bleibt.
Der von den Grünen ins Leben gerufene Wirtschaftsbeirat soll unterschiedliche Stimmen aus der Unternehmenslandschaft zusammenbringen und dient offenbar als Reaktion auf harsche Kritik an der bisherigen Wirtschaftspolitik der Partei. Laut tagesaktuellen Medienberichten, etwa in der ZEIT oder bei der FAZ, ist die Reichweite und Zusammensetzung des Beirats durchaus bemerkenswert: Neben Führungspersonen großer Konzerne wie Eon oder der Commerzbank sind auch Mittelstandsvertreter beteiligt. Bemerkenswert ist, dass die Grünen hier ein Experiment wagen, indem sie auch prominente Wirtschaftsstimmen einbinden, die gegenüber der Partei bisher Distanz oder kritisches Feedback signalisierten – das wird von Beobachtern als Schritt zu einer realistischeren, praxisnäheren Wirtschaftspolitik gewertet. In Reaktionen der Presse werden Chancen für einen erhöhten Austausch zwischen Politik und Wirtschaft gesehen, einige Stimmen mahnen jedoch an, dass zwischen repräsentativer Dialogplattform und tatsächlichem Einfluss auf die Gesetzgebung unterschieden werden müsse.