Baustelle Bundestag: Lüders-Haus erneut auf der langen Bank

Das Marie-Elisabeth-Lüders-Haus in Berlin – eigentlich längst fertig geplant – sorgt wieder einmal für Stirnrunzeln bei Abgeordneten und Baufachleuten.

heute 15:03 Uhr | 5 mal gelesen

Mal wieder ein Brief, mal wieder schlechte Nachrichten: Bundestagsvizepräsident Omid Nouripour (Grüne) hat Anfang Juni die Baukommission des Parlaments offiziell darüber informiert, dass sich die Bezugsfertigkeit des Erweiterungsbaus am Marie-Elisabeth-Lüders-Haus weiter verspäten wird. Glaubt man dem Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR), ist ein Einzug nun erst für Anfang Juni 2026 realistisch – dabei sollten die Büros eigentlich schon Ende des ersten Quartals 2026 bereitstehen. Das klingt nach Bau-typischem Zweckoptimismus (ehrlich gesagt, man mag kaum noch darauf wetten). Selbst das BBR mag keine Garantie abgeben – vielleicht ein ungewolltes Markenzeichen deutscher Großbaustellen? Laut Nouripour steckt hinter dem Desaster vor allem ein Mangel an vorausschauender Führung und koordiniertem Technikeinsatz. Besonders die Planung und Koordination in Sachen Haustechnik (Strom, Brand- und Einbruchschutz, Entrauchung) läuft alles andere als rund – die verantwortlichen Stellen schieben sich gegenseitig die Schuld zu oder bleiben einfach recht unsichtbar. Interessantem Vergleich: Vom Berliner Großflughafen kennt man solche Verzögerungen; der war immerhin nur neun Jahre überm Plan. Das Lüders-Haus kratzt jetzt schon am 13. Jahr. Zeichnet sich da etwa ein neuer Rekord ab? Wer weiß, ob’s ihn jemand feiert.

Die Fertigstellung des Marie-Elisabeth-Lüders-Hauses verzögert sich erneut, jetzt soll der Bundestag laut aktuellem Stand erst im Juni 2026 auf die neuen Büroflächen zugreifen können. Grund dafür sind Schwierigkeiten mit der technischen Ausrüstung des Gebäudes, speziell bei Stromversorgung, Brand- und Einbruchsmelde- sowie Entrauchungsanlagen, die bislang nicht koordiniert genug bearbeitet wurden – so auch die Kritik von Omid Nouripour. Das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung sowie das für die Baumaßnahme zuständige Ministerium sind laut Nouripour in der Praxis wenig präsent, während der Bau (ganz nach dem Vorbild BER-Flughafen) mittlerweile bereits 13 Jahre hinter dem ursprünglichen Zeitplan liegt. Aus aktuellen Berichten anderer Medien – etwa von T-Online und der Süddeutschen – geht zudem hervor, dass zunehmend Kritik am mangelhaften Controlling und an der Transparenz aufkommt; auch werden Vergleichsfälle wie das Frankfurter Opernhaus bemüht, das zuletzt als positives Gegenbeispiel für erfolgreiche Großprojekte rechzeitig galt. Expert:innen fordern nun eine umfassende Neuorganisation der Bauplanung im öffentlichen Sektor, um weitere Steuergeldverschwendung und Projektpleiten künftig einzudämmen.

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