Gabriel kritisiert das deutsche Festhalten an der Maxime, Verteidigungsausgaben seien Sache der Nationalstaaten, als realitätsfern – immerhin könne auch Deutschland seine Ausgaben kaum mehr schuldenfrei stemmen. Zur europäischen Sicherheit, so Gabriel, stehe die Aufnahme gemeinsamer EU-Schulden im Einklang mit Empfehlungen wie etwa dem Draghi-Bericht, auch wenn damit beträchtliche Kosten und Risiken verbunden seien. Er sieht jedoch in der Bedrohung durch russische Truppen an den EU-Grenzen ein viel größeres und unmittelbareres Problem, das keine Verzögerung duldet. Pointiert fragt Gabriel: "Wollen wir wirklich erst reagieren, wenn die Krise schon über Berlin geflogen ist?" Ein konkreter Vorschlag: Deutschland solle gemeinsam mit Frankreich Verteidigungsausgaben verknüpfen und das starke deutsche Kreditrating einbringen, um die Finanzierung für beide Länder günstiger zu gestalten – ein Signal echter europäischer Solidarität statt bloßer Freundschaftsbeteuerungen. Gegenüber Polen wirft Gabriel ein, einen Teil der geplanten Verteidigungsausgaben direkt in NATO-Fonds für die Ostflanke umzuleiten und fordert mehr praktisches, mutiges Handeln statt endloser Rhetorik. Kritisch betrachtet er zudem Debatten über eine europäische Atombombe, solange grundlegende, konventionelle Aspekte der Verteidigung ungelöst bleiben, und gesteht Unsicherheiten ein, was die atomare Beistandsfähigkeit der USA in einer echten Krisensituation betrifft.
Sigmar Gabriel warnt eindringlich, dass Europa seine Verteidigung rasch gemeinschaftlich stärken muss, und sieht EU-weite Schuldenaufnahmen als notwendigen Schritt. Er argumentiert, gemeinsame Rüstungsfinanzierung berge zwar Risiken, sei aber im Licht der existenziellen Bedrohung durch Russland unausweichlich. Gabriel fordert von Deutschland eine ziemliche Kehrtwende in der Finanzpolitik: Keine Blockadehaltung mehr, sondern solidarische Unterstützung für Nachbarn wie Frankreich und Polen – beispielsweise durch gemeinsame Kreditaufnahmen und verstärkte Beiträge zu NATO-Fonds.
Neuere Berichte ergänzen, dass die Diskussion über EU-Schulden für Verteidigung auch von EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen aktuell aufgegriffen wurde, die dabei auf den "European Defence Investment Programme" verweist, mit dem gezielt gemeinsame Ausgaben für Rüstung und Verteidigung ermöglicht werden sollen (Stand: Juni 2024). Auch aus Frankreich und Polen gibt es derzeit laut aktuellen Medienstimmen intensive Forderungen, die EU-Verteidigungsfähigkeit rasch und gemeinsam auszubauen, wobei unterschiedliche Modelle für gemeinsame Finanzierungsinstrumente im Raum stehen. Die Debatte über deutsche Haushaltsdisziplin und ihre Auswirkungen auf Europas militärische Handlungsfähigkeit ist in Medien und Politik der EU weiterhin hochbrisant und sorgt für viel Kontroversen.