Übrigens: Marcelo Rebelo de Sousa, der langjährige Präsident, durfte nicht nochmal ins Rennen gehen – eine Begrenzung auf zwei Amtszeiten hatte ihm einen weiteren Versuch verwehrt. Ein nicht ganz unwichtiger Nebenaspekt: Der Präsident hat, auch wenn es von außen oft nach einer Art Ehrenamt aussieht, durchaus gewisse Hebel in der Hand. Er schlägt den Premierminister vor, kann hohe Ämter in Armee oder Justiz vergeben, und im Extremfall sogar den Notstand erklären. Allerdings sind die repräsentativen Aufgaben oft präsenter, gerade in so ruhigen Zeiten, wie wir sie (bis gestern) kannten. Umso erstaunlicher, dass diese Wahl so viel Aufmerksamkeit erzeugt hat.
Der Sozialist António José Seguro hat sich mit einem überragenden Wahlergebnis als neuer Präsident durchgesetzt. Im zweiten Wahlgang erzielte er beinahe zwei Drittel aller Stimmen, während sein rechtsgerichteter Gegner, André Ventura, deutlich zurückfiel. Seguro wird damit Nachfolger von Marcelo Rebelo de Sousa, der nach zwei Amtszeiten nicht mehr antreten durfte. Der portugiesische Präsident hat, trotz vorrangig repräsentativer Rolle, einflussreiche Aufgaben wie die Ernennung des Premierministers und wichtiger Amtsträger, sowie das Recht, den Notstand auszurufen. In den letzten Tagen wurde in portugiesischen Medien besonders auf die deutliche Abgrenzung Seguros zu Ventura und dessen politischen Kurs verwiesen. Internationale Beobachter sehen in dem Sieg Seguros auch eine Absage an den Rechtspopulismus in Portugal. Des Weiteren wird erwartet, dass Seguro die Akzente eher auf Stabilität und sozialen Ausgleich setzen wird – ein dringend benötigtes Signal in wirtschaftlich wie politisch bewegten Zeiten.