EU strebt striktere Vorgaben für Tiktok wegen Suchtpotenzial an

Die EU-Kommission rügt offiziell das Suchtpotenzial von Tiktok – die Plattform könnte gegen den Digital Services Act (DSA) verstoßen. Betroffen sind vor allem Funktionen wie endloses Scrollen, Autoplay-Videos und aggressive Benachrichtigungen.

heute 12:34 Uhr | 5 mal gelesen

Tiktok steht im Kreuzfeuer der EU-Kommission. Nach jüngsten Analysen sieht Brüssel das Wohlbefinden, vor allem das von Jugendlichen und verletzlichen Gruppen, durch die Plattform aufs Spiel gesetzt – und zwar wegen gezielt einsetzter Mechanismen, die aufs Dranbleiben abzielen. Es geht ums berühmte Nicht-aufhören-Können: unendliches Scrollen, Autoplay, Algorithmen, die passgenaue Clips vorschlagen, und ständiges Piepsen von Push-Nachrichten. Die Kommission moniert, dass Tiktok bisher zu wenig unternommen habe, um die negativen Auswirkungen dieser Funktionen zu entschärfen. Besonders auffällig, so fand die Untersuchung, waren lange nächtliche Nutzungszeiten bei Minderjährigen, hohe Öffnungsfrequenzen und andere Anzeichen für ein echtes Suchtproblem. Zwar gibt es bereits Bildschirmzeit-Beschränkungen oder Kontrolltools für Eltern – doch reichen diese Hilfen? Offenbar kaum, meinen die Wettbewerbshüter. Die Forderung: Tiktok muss das Grunddesign radikal ändern, etwa durch das zeitweise Abschalten der endlosen Feeds, effektivere Pausen und eine überarbeitete Empfehlungs-Logik, die nicht auf Maximierung des Konsums abzielt. Bislang darf Tiktok Stellung nehmen und Widerspruch einlegen. Falls das nicht überzeugt, könnten drastische Strafen drohen: Bis zu sechs Prozent des weltweiten Umsatzes stünden als Bußgeld im Raum. Das wäre, angesichts der globalen Beliebtheit der App, ein ordentlicher Schlag – nach außen und nach innen.

Die Vorwürfe gegen Tiktok sind Teil einer umfassenderen EU-Initiative, den Einfluss großer Digitalplattformen gezielter zu regulieren. Laut taz untersucht die Kommission parallel ähnliche Mechanismen bei anderen sozialen Netzwerken. SZ berichtet von ersten Reaktionen aus der Politik: Diskussionen über strengere Alterskontrollen und neue Transparenzpflichten für Algorithmen werden lauter. DW zufolge steht Tiktok ohnehin unter Druck, insbesondere weil der Umgang der Plattform mit Hassrede, Desinformation und Datenschutz wiederholt kritisch beäugt wird. TikTok selbst beteuert, Jugendschutz zu stärken; Kritiker bezweifeln allerdings, dass die App freiwillig substanzielle Änderungen vornehmen wird. In der öffentlichen Diskussion wird zudem immer häufiger gefragt, ob regulatorische Eingriffe wirklich helfen oder vielmehr Kompetenz im Medienumgang fördern müssten. Die Frage, wie weit Plattformen in die Verantwortung genommen werden sollten, bleibt brisant und polarisiert nicht nur in Europa, sondern weltweit.

Schlagwort aus diesem Artikel