Natalie Pawlik, die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, bringt in einem Interview mit der 'Frankfurter Rundschau' unmissverständlich ihre Ablehnung gegen die Sparmaßnahmen auf den Punkt. 'Geradezu widersinnig ist es, Menschen den Zugang zu Sprachkursen und damit zu Arbeit zu verbauen, wenn überall Fachkräfte fehlen', merkt Pawlik an. Sie verstehe zwar, dass der Staat seine Ausgaben im Blick behalten muss – das stehe außer Frage. Aber das Einsparen an dieser Stelle sei, so Pawlik, kurzsichtige Politik, die Integration erschwere und den Arbeitsmarkt belastet. Bereits am Vortag hatte die 'Frankfurter Rundschau' offenbart, dass etliche Anbieter von Integrationskursen kalt erwischt wurden: Keine Vorbereitung, keine Erläuterung, trotzdem massive Kürzungen. Pawlik nennt die Kurse zu Recht 'unverzichtbar' für das Ankommen in Deutschland: 'Wer hierherkommt und gewillt ist, muss auch schnell die Chance erhalten, Deutsch zu lernen – das ist kein Luxus, sondern Grundvoraussetzung für Teilhabe.' Besonders mit Blick auf Geflüchtete aus der Ukraine oder aus EU-Staaten unterstreicht Pawlik die Dringlichkeit. Sprach- und Integrationskurse seien Brücken in Arbeit, Alltag und gesellschaftliche Teilhabe.
Viele Geflüchtete haben zurzeit keine Möglichkeit, Integrations- und Sprachkurse in Deutschland zu besuchen, weil ihnen das dazu nötige Zugangsrecht durch das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge verwehrt wird – eine Folge der von Innenminister Dobrindt vertretenen Sparpolitik. Die Integrationsbeauftragte Pawlik sieht dadurch die schnelle und erfolgreiche Eingliederung von Neuzugewanderten in Gefahr, zumal der Fachkräftemangel auf dem deutschen Arbeitsmarkt drückt. Wie kürzliche Berichte aus taz, Faz und der Zeit belegen, warnen auch zahlreiche Kommunen und Wohlfahrtsverbände vor dauerhaften Folgen dieser Kürzungen: Sprachhürden könnten sich verfestigen, Betriebe finden noch schwerer Personal, und Integration gerät zum politischen Schlagball. Laut Recherchen der Süddeutschen Zeitung wird aktuell dazu geraten, vorerst keine neuen Kurse aufzulegen, während Träger finanziell im Regen stehen und zahlreiche Geflüchtete ihre Integration weiter aufschieben müssen. Außerdem verschärft sich die Situation besonders für Menschen aus der Ukraine, die weiterhin in großer Zahl nach Deutschland kommen und dringend Schulungen benötigen, aber nun ausgebremst werden.