Persönlichkeiten wie Rita Süssmuth trifft man nicht alle Tage – oder, um ehrlich zu sein, vielleicht sogar nur einmal im Leben. Steinmeier schrieb an Süssmuths Tochter und hob hervor, wie sehr ihre Mutter sich mit Neugier, Mut und einer Prise Humor für Gleichberechtigung eingesetzt habe. Was mir persönlich immer an solchen politischen Wegbereitern auffällt: Sie schreiben sich nie auf die Fahnen, die Welt allein zu retten; damals, als Ministerin für Jugend, Familie und Gesundheit, hat Süssmuth einfach das Ressort erweitert, Frauenpolitik selbstbewusst hineingeschrieben, so als wäre es längst überfällig gewesen. Und ja, daran sieht man auch, wie Politikerinnen wie sie weit mehr waren als bloße Symbolfiguren – sie haben, um im Bild zu bleiben, tatsächlich beim Umbau des politischen Hauses mit angepackt.
Der Präsident lobte insbesondere den offenen Umgang Süssmuths mit schwierigen Themen – Stichwort: Aids-Krise der 1980er Jahre, eine Zeit, in der Stigmatisierung und Vorurteile den öffentlichen Diskurs bestimmten. Auch die Reform der Parlamentsarbeit und Fortschritte bei der Einwanderungspolitik gehören zu ihrem Vermächtnis. Man merkt: Steinmeier schwang sich nicht nur zu klassischen Würdigungen auf, sondern betonte, wie sehr Menschlichkeit und Humor – manchmal unterschätzte Tugenden – die Wirkung einer politischen Führungskraft verstärken können. 88 Jahre hat sie gelebt, von 1985 bis 1988 als Bundesministerin für Jugend, Familie, Gesundheit – später zehn Jahre an der Spitze des Bundestags. Es bleibt ein Lebenswerk, das anspornt. Und auch ein bisschen nachdenklich macht: Wer füllt heute solche Fußstapfen?
Rita Süssmuth war nicht nur die erste Frauenministerin Deutschlands, sondern setzte jahrzehntelang entscheidende Impulse für Gleichstellung, Familienförderung und moderne Integrationspolitik. Ihr politisches Wirken in den 1980er und 1990er Jahren zeichnete sich durch Beharrlichkeit, Dialogbereitschaft und ihren Mut zur Kontroverse (etwa bei der Streitfrage Aids) aus – Eigenschaften, die in aktuellen Debatten um Gleichberechtigung und Demokratie nach wie vor angefragt sind. Im Zuge aktueller Nachrufe heben Medien wie die FAZ oder die Süddeutsche ihre außergewöhnliche Menschlichkeit, ihre Offenheit für unbequeme Themen und ihren tiefen Optimismus hervor, der viele über Parteigrenzen hinweg inspirierte.
Zusätzlich wurde Süssmuths Wirken aktuell auch im Hinblick auf die Integrationspolitik gewürdigt: So betonte etwa der Spiegel, dass sie bereits in den 1990er Jahren für eine geregelte und humane Einwanderungspolitik stritt, oft gegen den parteipolitischen Mainstream. Auf den Nachrichtenseiten wird außerdem ihr Einsatz für eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Beruf sowie für den konstruktiven Umgang mit gesellschaftlichen Veränderungen gelobt. Zuletzt erinnerten auch viele Weggefährten an ihre Fähigkeit, Brücken zu bauen und mit Herzenswärme Menschen zusammenzuführen.