Zoff in der Union: Sollen Kids Energydrinks kaufen dürfen?

Innerhalb der CDU flammt ein Streit über ein mögliches Verkaufsverbot von Energydrinks für Jugendliche auf.

heute 15:10 Uhr | 3 mal gelesen

Die Diskussion köchelt: Während der CDU- und CSU-Fraktion im Bundestag jegliche Pläne für eine Altersgrenze bei Energydrinks eine klare Absage erteilt, trommelt die Niedersachsen-CDU für ein Verkaufsverbot an unter 16-Jährige. Johannes Steiniger, seinerseits Ernährungsexperte der Fraktion, verwies im Gespräch mit der "Welt am Sonntag" auf Ergebnisse des Bundesinstituts für Risikobewertung, die keinen Zusammenhang zwischen Energydrink-Konsum und beunruhigenden Herzgesundheitswerten bei Jugendlichen feststellen konnten – zumindest in besagter Studie. "Eine Altersbeschränkung ist schlicht nicht nötig und steht auch nicht im Koalitionsvertrag," meint Steiniger, wobei man sich leicht vorstellen kann, dass nicht alle in der Partei dieses Argument schlucken – ohne Nebenwirkungen. Ganz anders sieht es Sebastian Lechner, CDU-Chef in Niedersachsen. Er will beim CDU-Parteitag Ende Februar in Stuttgart einen Vorstoß zur Einführung einer Altersgrenze präsentieren: "Kinder- und Jugendschutz sollten für uns Vorrang haben. Energydrinks enthalten reichlich Zucker und Koffein – nicht ohne gesundheitliche Konsequenzen. Wer vier Stunden wach liegt, weil der Kreislauf rast, denkt beim nächsten Mal vielleicht anders über den schnellen Kick nach. Prävention muss hier den Ton angeben!" Der Antrag aus Schleswig-Holstein, die Altersbeschränkung als offizielle CDU-Forderung zu verankern, hat also Unterstützer – aber längst nicht überall. Die Landesvorsitzenden aus Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz sprechen sich dagegen aus und sehen in der Maßnahme wohl eher eine Gängelung als eine schützende Hand.

Der Streit innerhalb der CDU über eine Altersbegrenzung beim Verkauf von Energydrinks bringt unterschiedliche Positionen aus den Landesverbänden ans Licht. Während Niedersachsen und Schleswig-Holstein auf strengere Regeln pochen und gesundheitliche Risiken wie Schlafstörungen, Nervosität und langfristige Folgen betonen, halten Fraktionsexperten wie Steiniger eine Altersgrenze aufgrund aktueller Studien für nicht gerechtfertigt und verweisen auf präventive Aufklärung statt Verbote. Jenseits parteiinterner Differenzen nehmen Medien und Fachleute bundesweit die gesundheitlichen Auswirkungen der Energydrink-Beliebtheit im Jugendalter inzwischen zunehmend kritisch unter die Lupe; die Diskussion bleibt also nicht auf die CDU beschränkt, sondern schlägt sich in Gesellschaft und Politik als Ganzes nieder. Aktuellen Recherchen zufolge gibt es in mehreren europäischen Ländern bereits Altersgrenzen oder Warnhinweise für den Verkauf von Energydrinks; zum Beispiel ist in Litauen und Lettland der Verkauf an Minderjährige untersagt. Der europäische Markt für Energiegetränke wächst dennoch kontinuierlich – auch, weil Hersteller gezielt mit „Aufmerksamkeits-Boost“ oder „Lifestyle“ werben. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt seit Jahren, den Zugang für Kinder und Jugendliche einzuschränken, da selbst moderate Mengen zu Herzrasen, Angstzuständen oder Schlafproblemen führen können, besonders in Kombination mit Alkohol oder bei sportlichen Aktivitäten.

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