Daniel Günther hat sich ziemlich klar positioniert: Seiner Meinung nach unterschätzen Politiker oft, wie viel Wandel die Leute tatsächlich mittragen würden. Im Gespräch mit dem Redaktionsnetzwerk Deutschland meinte er sinngemäß, es gebe keinen Grund, sich aus Angst vor Wahlverlusten zu lähmen. Klartext – das wünscht er sich. Kein Herumgeschwurbel, keine politischen Tabus. Was notwendig ist, muss angesprochen und umgesetzt werden.
Paradoxerweise, so Günther, könnten sich die Parteien eher schaden, wenn sie – trotz offenkundiger Probleme – untätig bleiben. Dann laufe man Gefahr, dass die Menschen politisch abdriften, weil sie sich von der Politik alleingelassen fühlen. "Handeln ist die einzige echte Antwort auf die AfD", so seine Ansage mit Blick auf die kommenden Landtagswahlen (in Sachsen-Anhalt, Berlin und Mecklenburg-Vorpommern). Es sei Zeit zu liefern, nicht zu dozieren.
Interessant: Günther macht sich auch gegen herablassende oder anklagende Sprüche in der Politik stark – "einfach mehr arbeiten" helfe niemandem weiter. Solche Botschaften könnten sogar das Gegenteil bewirken. Kurzum: Politische Kommunikation sollte respektvoll sein, statt von oben herab.
Günther fordert von den politischen Akteuren in Berlin mehr Mut zu echten, tabulosen Reformen, selbst wenn Landtags- oder Bundestagswahlen bevorstehen. Besonders in multiplen Krisenzeiten – Inflation, Haushaltsengpässe, gesellschaftliche Spaltung – sind die Erwartungen an die Problemlösungskraft der Politik hoch. Laut aktuellen Berichten unterstreichen Experten, dass fehlende Reformen die politische Mitte schwächen und die Bereitschaft zu Protestwahlen erhöhen. Interessanterweise führt die anhaltende Debatte um das Bürgergeld, den Sparkurs der Regierung und die schleppende Energiewende zu wachsender Unsicherheit in der Bevölkerung (siehe taz, Zeit, Spiegel, FAZ). Neben Günthers Partei-internen Spannungen wird auch immer wieder darauf hingewiesen, dass die politische Kommunikation krisenfester und bürgernäher werden müsse.