Streit um Elterngeld: WZB-Chefin fordert längere Auszeiten für Väter statt Einsparungen

Die Ökonomin Nicola Fuchs-Schündeln warnt eindringlich: Kürzungen beim Elterngeld seien ein Irrweg und drohen, ohnehin knappe Geburtenraten weiter zu drücken. Stattdessen sieht sie die Chance für eine grundlegende Reform – mit Fokus auf längere Vätermonate.

heute 08:18 Uhr | 2 mal gelesen

Trotz chronischer Geldnot im Bundeshaushalt soll ausgerechnet das Elterngeld erneut zum Sparschwein werden. Aus der neuesten Runde der Kürzungsvorschläge ist Bundesfamilienministerin Karin Prien aufgefordert, satte 500 Millionen Euro einzukassieren – das Gros dürfte dabei auf Reformen beim Elterngeld entfallen. Doch während viele nur über Zahlen sprechen, geht Nicola Fuchs-Schündeln, Präsidentin des Wissenschaftszentrums Berlin für Sozialforschung (WZB), inhaltlich einen Schritt weiter: Ihrer Meinung nach sollte die Politik nicht weiter an der Höhe schrauben, sondern das Konzept selbst neu denken. Gerade jetzt, wo Deutschlands Geburtenrate historisch niedrig ist und bald die Babyboomer aus dem Erwerbsleben ausscheiden, wäre eine radikale Kehrtwende nötig. Fuchs-Schündeln plädiert für einen Paradigmenwechsel: Mehr Anreize für beide Eltern, sich Arbeit und Kinderbetreuung gleichberechtigt zu teilen. Ihre Idee klingt zunächst ungewohnt, leuchtet aber ein: Ausweitung der Vätermonate, weniger rein weiblich reservierte Monate – und eine Staffelung des Elterngelds, die längere Allein-Auszeiten finanziell weniger attraktiv macht. Maximal sieben Monate pro Elternteil würden zu 80 Prozent des letzten Nettoeinkommens ersetzt. Wer länger zu Hause bleibt, erhält nur noch 50 Prozent. Ein Modell, das nicht nur den Spardruck abfedert, sondern vielleicht sogar alte Rollenbilder aufbricht.

Im Kern ihres Vorschlags sieht WZB-Präsidentin Fuchs-Schündeln die Reform des Elterngelds als Chance, die Gleichberechtigung zwischen Vätern und Müttern aktiv zu fördern, statt sie durch bloßes Sparen weiter auszuhöhlen. Die demografische Entwicklung – Geburten auf Niedrigststand, Babyboomer kurz vor dem Rentenalter – verschärft den Arbeitskräftemangel und macht familienfreundliche Politik dringend notwendig. Neuere Berichte aus taz und Spiegel unterstreichen die Debatte um soziale Belastungen für Familien und die Sorge, dass vor allem Mütter durch Kürzungen Richtung Teilzeit oder gar Arbeitsplatzverlust gedrängt werden könnten. Im Bundestag gibt es kontroverse Stimmen: Während die Regierung auf Haushaltsdisziplin besteht, wächst der Widerstand in Wissenschaft und Zivilgesellschaft. Die aktuelle Diskussion beleuchtet zudem Varianten, wie etwa ein elternunabhängiges "Sockel-Elterngeld" oder eine stärkere Verknüpfung mit Betreuungsinfrastruktur. Ergänzend: Nach aktuellen Medienberichten ist der Sparzwang im Familienministerium nicht nur politisch, sondern auch gesellschaftlich heikel. Viele Eltern befürchten Rückschritte in Sachen Vereinbarkeit und Gleichstellung. Parallel entstehen Petitionen und Protestbewegungen, die auf eine Modernisierung statt Abbau von Familienleistungen drängen.

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