Es ist schon bemerkenswert, wie ungeduldig die IG Metall mittlerweile wird. Jürgen Kerner, der Vize der Gewerkschaft, sprach im 'Handelsblatt' beinahe so, als würde er dem Kanzler direkt ins Gewissen reden. Die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer von KNDS, also dem Rüstungs-Joint-Venture zwischen Deutschland und Frankreich, sitzen offenbar auf heißen Kohlen: Sie wollen, dass Deutschland sich ähnlich stark engagiert wie Frankreich – auch finanziell. Gerade kurz vor dem möglichen Börsengang im Juni drängt die Zeit gewaltig. Interessanterweise streiten die Ministerien sogar über Zahlen: Verteidigung will ganze 40 Prozent des Unternehmens, während Wirtschaftsministerium und Kanzleramt lieber bei 30 Prozent einsteigen würden, angeblich reicht das schon für genug Mitspracherecht. Kerner stört vor allem, dass Frankreich schneller vorpreschen könnte, während Deutschland in immer neuen Abstimmungen verharrt. Viele Mitarbeiter hören inzwischen beunruhigende Gerüchte: Zum Beispiel, dass künftige Bundeswehr-Aufträge in Frankreich abgewickelt werden könnten oder deutsche Technologien zu leicht nach Frankreich wandern. In Kerner klingt so eine vorsichtige Hoffnung mit, dass beide Seiten wirklich an einem Strang ziehen – alles andere wäre kein 'gemeinsames' Großprojekt, sondern eine Schieflage. Man kennt es ja: Nur mit echtem Engagement beider Partner wird aus einer Ehe auch eine funktionierende.
Die IG Metall mahnt, die Bundesregierung solle sich zeitnah, und vor allem in vergleichbarem Umfang wie Frankreich, am Rüstungsunternehmen KNDS beteiligen. Während das Verteidigungsministerium auf einen höheren Staatsanteil (40%) drängt, plädieren Wirtschaftsministerium und Kanzleramt für 30%, was offenbar für Kontrollrechte ausreiche. Seit Ende Mai wird intensiver über den Zeitdruck berichtet, da der angekündigte Börsengang von KNDS immer näher rückt – und das Thema spielt nicht nur für Rüstungsstrategie eine Rolle, sondern auch für den Industriestandort Deutschland sowie für das deutsch-französische Verhältnis insgesamt. Zusätzlich zu den bekannten Inhalten berichten aktuelle Medien, dass KNDS als Hersteller von Leopard- und Leclerc-Panzern grundsätzlich eine Schlüsselposition für die Zukunft der europäischen Verteidigung einnimmt. Die französische Regierung ist bereits mit rund 50% beteiligt, weshalb auf deutscher Seite ein ähnliches Engagement erwartet wird (u.a. FAZ und Zeit). Der politische Streit über die Beteiligung signalisiert auch, wie sensibel strategische Industriepolitik im Bereich der Sicherheit inzwischen gesehen wird – dabei geht es auch um Arbeitsplätze, Wissensschutz und internationale Verlässlichkeit.