Chemische Ausdünstungen in Neuwagen: ADAC und Fraunhofer forschen zu Schadstoffen

Was viele als 'Neuwagenduft' kennen und schätzen, ist im Grunde ein Potpourri flüchtiger Chemikalien, die von Sitzen, Armaturen oder Klebern langsam in die Luft gelangen. Das klingt harmlos, kann aber gesundheitlich durchaus bedenklich sein – vor allem, wenn die Sonne gnadenlos auf das Auto knallt. Eine aktuelle Untersuchung des ADAC, zusammen mit dem Fraunhofer-Institut, bringt mehr Licht ins Dunkel und zeigt: Frisch gebackene Autos stechen dabei besonders hervor.

12.05.26 01:10 Uhr | 32 mal gelesen

Für die Analyse landeten verschiedene Autos (von Hyundai, Dacia, BYD bis VW Golf) jeweils für einige Zeit in einer klimatisierten Messbox. Die Fahrzeuge waren unterschiedlich alt – die Jüngsten gerade mal einen Monat im Einsatz, andere schon 200 Tage. Entscheidend: Die Experten beobachteten, wie viele sogenannte TVOC, also insgesamt flüchtige organische Verbindungen, in die Innenraumluft abgegeben wurden. Zum TVOC-Mix gehören etwa Benzol, Formaldehyd und andere Chemikalien, denen man lieber nicht zu oft begegnen will. Überraschung in Zahlen: Die Neufahrzeuge lagen durch die Bank beim wichtigen TVOC-Wert noch über der Empfehlung des Umweltbundesamts – von einer echten Gefahr entsprach das zwar noch nicht, doch: Beim nur 39 Tage alten VW Golf war der Wert fünfmal höher als bei seinem älteren 'Bruder'. Die Messungen bei BYD Seal zeigt ähnliche Tendenzen. Ein gesetzlicher Grenzwert existiert aktuell lediglich für Formaldehyd, und relevant wird auch der erst ab 2027. Bis dahin bleibt vieles auf Empfehlungsebene; immerhin lag beim Test keiner der Werte über dem künftigen Limit, wenn die Wagen kühl standen. Anders sieht es aus, wenn das Fahrzeug – wie so oft im Sommer – aufgeheizt wird: Plötzlich klettern die Messwerte, am ausgeprägtesten wieder beim Golf. Die erlösende Nachricht: Wer die Lüftung einschaltet, kann binnen Minuten deutlich bessere Luft schaffen. Tipp für Autokäufer: Riecht das neue Gefährt penetrant, kräftiges Lüften hilft – und bleibt der Geruch hartnäckig, sollte das dem Händler schriftlich gemeldet werden. Warum das Fahrzeugalter im COC-Papier nachzulesen ist – und nicht zwingend im Fahrzeugschein –, wirkt fast wie ein weiteres Puzzlestück in dieser Geruchs- und Chemikaliengeschichte. Abschließend noch: Die im Test herangezogenen Bewertungswerte stammen von einem unabhängigen wissenschaftlichen Ausschuss, der für das Umweltbundesamt arbeitet. Es gibt einen sogenannten Vorsorgewert (da wird’s bei Dauerexposition wohl ungefährlich) und einen Gefahrenwert, bei dessen Überschreiten rasches Handeln besonders für empfindliche Gruppen wie Kinder nötig ist.

Die Untersuchung vom ADAC und Fraunhofer-Institut bringt es auf den Punkt: Neuwagen dünsten kurz nach ihrer Produktion eine deutlich erhöhte Menge flüchtiger Chemikalien (TVOC) aus, die zwar momentan noch unter gesetzlichen Grenzwerten liegen, aber teils den Experten-Empfehlungen überschreiten. Gerade nach heißem Wetter steigen die Belastungen, insbesondere bei fabrikneuen Fahrzeugen, spürbar – das simple Lüften kann die Innenraumbelastung jedoch effektiv senken. Bleiben die Gerüche oder Beschwerden bestehen, empfiehlt sich eine schriftliche Reklamation beim Händler sowie eine Überprüfung des genauen Fahrzeugalters anhand der COC-Papiere. Zusätzliche Informationen aus aktuellen Recherchen: Die Problematik chemischer Ausgasungen in Neuwagen wird EU-weit zunehmend politisch diskutiert – insbesondere asiatische Hersteller verstärken, laut t3n und SPIEGEL, ihre Bemühungen, emissionsärmere Innenraummaterialien zu entwickeln. Gleichzeitig wächst im Zuge der 'grünen Mobilität' das Interesse an natürlichen, nachhaltigen Ersatzstoffen für konventionelle Kunststoffverkleidungen. Neue Regulierungsvorhaben der EU könnten in den nächsten Jahren strengere Grenzwerte und Auflagen für Innenraumluft in Fahrzeugen nach sich ziehen, womit Hersteller, aber auch Verbraucher in der Pflicht stünden, mehr Transparenz und Schutz zu verlangen.

Schlagwort aus diesem Artikel