Bundesdigitalministerium: Standortwahl in umstrittener Nachbarschaft verteidigt

Das Bundesministerium für Digitales und Verkehr weist die jüngsten Bedenken wegen seines neuen Berliner Standorts direkt neben dem Russischen Haus entschieden zurück.

heute 10:59 Uhr | 2 mal gelesen

Interessant, wie sich die Diskussionen um Adresse und Nachbarschaft manchmal schneller aufheizen als ein Rechner in der Sommersonne. Das Digitalministerium hat offenbar genug von Gerüchten und stellt klar: Die sensibelsten Referate arbeiten gar nicht in der Taubenstraße. Laut Ministeriumssprecher sitzt das Referat für "Sicherheit und Resilienz öffentlicher Telekommunikationsnetze" friedlich in Bonn, während Cybersicherheit der Bundesbehörden an der belebten Friedrichstraße angesiedelt ist – also weit weg vom Russischen Haus. Übrigens, die Auswahl des Standorts war kein spontaner Glücksgriff: Man stand eng in Kontakt mit Sicherheitsbehörden und hat, nach eigener Aussage, deren Hinweise akribisch beachtet. 130 Mitarbeiter werkeln seit Juli an den Themen Digitale Wirtschaft und Infrastrukturen in der Taubenstraße 42/43; auch der Nationale Normenkontrollrat hat dort nun seinen Briefkasten. Die Debatte um potenzielle Spionage scheint fürs Erste also eher eine Sache der Wahrnehmung zu sein – wobei: in Berlin weiß man ja nie, was hinter verschlossenen Türen wirklich passiert.

Das Digitalministerium verteidigt seinen Sitz in der Nähe des Russischen Hauses und betont, dass hochsensible Referate nicht vor Ort arbeiten. Die Sicherheitsbehörden waren durchweg in die Entscheidungsfindung eingebunden und empfohlene Schutzmaßnahmen werden eingehalten. Nach neuesten Berichten anderer Medien sind IT-Infrastruktur und Netzsicherheit zentrale Anliegen, die am neuen Standort keinen erhöhten Risiken ausgesetzt seien. Besonders angesichts aktueller Cyberbedrohungen – Stichwort russische Aktivitäten im Cyberraum – bleibt die Standortwahl politisch aufgeladen; genau dazu legte die FAZ zuletzt Fokus auf die wachsende Abhängigkeit von strengen Sicherheitsprotokollen im Regierungsumfeld. Ebenso finden sich in der taz und der Süddeutschen Zeitung Hinweise, dass die Sorge über Russlandnähe viele Behörden in Berlin, nicht nur das Digitalressort, betrifft. Jenseits konkreter Spionage-Vorwürfe scheinen politische Symbolik und öffentliche Wahrnehmung mitentscheidend zu sein.

Schlagwort aus diesem Artikel