Mit einem einzigen Regierungspapier, das vermutlich in Sekunden unterschrieben war, hat Wladimir Putin kürzlich bestimmt: Die russischen Assets von Metro gehören jetzt – erst einmal – einer in Windeseile gegründeten Firma. Sie hört auf den Namen UK Torg RUS und ist, wenn man es genau nimmt, kaum mehr als ein neues Etikett am alten Produkt.
Eine neue Verwaltung, alte Gesichter
Das Ganze wirkt seltsam pragmatisch: Der bisherige Chef von Metro Russland führt den Laden unter neuer Fahne weiter. Die Statuten der UK Torg RUS klingen trocken – Verwaltung, Steuerung, Kontrolle. Aber das Duftmarken-Setzen der russischen Politik ist eindeutig: Wir entscheiden, wem was gehört, wenigstens heute.
Ein Handelsriese im Zwielicht
Gerade in den frühen 2000ern galt Metro als Pionier für deutsche Investitionen in Russland. Fast überall im Land stehen die Hallen, die vor allem die lokale Gastronomie und Kleinunternehmen versorgen. Heute sind es wohl um die 90 Filialen, und die Zahl der Mitarbeiter kratzt an der Fabelmarke 12.000 – fast schon eine kleine Stadt für sich.
Metros Schicksal – Nestlé lässt grüßen
Die Motivation hinter dem Schritt ist nicht schwer zu deuten: Der Westen zieht Unternehmen ab, Russland reagiert, indem es wirtschaftliche Macht näher an den eigenen Machtapparat holt. Ähnliche Aktionen gab’s auch schon gegen die Schweizer Nestlé – offenbar kein Einzelfall mehr.
Zwangsverwaltung heißt nun das Zauberwort: Nicht enteignet, aber enteignet, zumindest temporär. Ob das so bleibt? Unklar. Gerade für Metro eine politisch heiße Kartoffel – weil das Geschäft in Russland für den Gesamtkonzern keineswegs ein unwichtiges Randthema ist.
Unübersichtliche Perspektiven
Für die 12.000 Menschen in Russland mag sich wenig ändern, der gleiche Chef, das gleiche Tagesgeschäft. Und doch: Wer weiß, wie lange die Übergangsverwaltung dauert – oder ob sie am Ende doch etwas Dauerhaftes ist?
Für den deutschen Mutterkonzern sind die Folgen gravierend, auch finanziell. Abschreibungen stehen im Raum, und das ohnehin angeschlagene Vertrauen internationaler Investoren wird nicht gestärkt. Allgemein wird der Druck für ausländische Firmen, Russland zu verlassen oder zumindest ihre Aktivitäten massiv runterzufahren, weiter steigen.
Kurz gefasst
Russland ersetzt die Eigentümerstruktur von Metro Russland per Dekret – temporär, so heißt es, aber mit ganz realen Konsequenzen: Die Kontrolle liegt nun bei einer frischen Gesellschaft, die mit bereits bekannten Gesichtern an der Spitze operiert.
Weitere Einordnung aus aktuellen Recherchen
Laut FAZ sorgt diese Enteignungsrunde in Russland für Unsicherheit bei allen ausländischen Firmen, die dort noch tätig sind. Die FAZ weist darauf hin, dass der Trend zu verstärkter Überwachung und Kontrollübernahmen durch den russischen Staat seit Beginn des Ukraine-Kriegs zum Alltag geworden ist. Zudem gibt es für westliche Firmen kaum noch Rechtssicherheit bezüglich ihrer Investitionen. Quelle: FAZ
Spiegel.de berichtet, dass insgesamt etwa 500 ausländische Unternehmen den russischen Markt verlassen haben oder deren Geschäfte übernommen wurden. Bei Metro sei die Lage besonders brisant, weil das Russland-Geschäft rund 10 % des Gesamtumsatzes ausmache und Kundinnen sowie Kunden – paradoxerweise – auch in schwierigen Zeiten weiterhin regelmäßig die Märkte besuchen. Westliche Firmen könnten perspektivisch komplett aus Russland verdrängt werden. Quelle: Spiegel
Die Zeit hebt hervor, dass die russische Regierung neben der Wirtschaftskontrolle auch einen politischen Druck auf Unternehmen ausübt, um Eigentümer zur Aufgabe zu bewegen. Hinter den Kulissen sollen manche Unternehmen auf niedrigem Niveau um Rückzugsmöglichkeiten oder Verkäufe verhandeln, wobei die Bedingungen extrem nachteilig für sie sind. Diese Entwicklung sei symptomatisch für den aktuellen Umgang mit ausländischen Investments in Russland. Quelle: Zeit