Wie deutsche Touristen Europas Betten füllen

Mehr als jeder dritte Übernachtungsgast in Österreich kam 2024 aus Deutschland – aber auch in Kroatien und den Niederlanden prägen Deutsche die Statistik deutlich.

heute 08:36 Uhr | 2 mal gelesen

Der Einfluss deutscher Urlauber auf die europäischen Übernachtungszahlen ist kaum zu übersehen. Laut Statistischem Bundesamt – mit frischen Zahlen von Eurostat – machten Gäste aus Deutschland 2024 satte 35,9 % aller Nächte in Österreichs Unterkünften aus. Zugegeben, das klingt wie ein Erdrutsch für ein einzelnes Herkunftsland. In Kroatien sieht’s ähnlich aus: Jede*r fünfte Hotelgast war dort ein Bundesbürger oder eine Bundesbürgerin, während Einheimische beim Übernachten eher das Nachsehen hatten. Österreich verzeichnete mehr deutsche als österreichische Gäste, was durchaus verblüfft. Die Niederlande sichern sich bei diesem Wettrennen den dritten Platz mit knapp 20 %. Überhaupt stellten die Deutschen 2024 in der Hälfte aller EU-Länder die größte Besuchergruppe aus dem Ausland – sogar in Ländern wie Frankreich und Italien, wo man das vielleicht gar nicht erwarten würde. Nun, das alles gleicht einer touristischen Völkerwanderung, die „überallhin“ fuhrt und dennoch bevorzugte Ziele kennt. Am wenigsten Reiselust nach Rumänien – nur 1,6 % deutsche Übernachtungen dort. Auch in der Slowakei, Finnland, Schweden und überraschend auch in Frankreich bleibt ihr Anteil unter fünf Prozent, Spanien kommt auf zwölf. Wer über Europas Grenzen hinausschaut, findet deutsche Tourist:innen z. B. in der Türkei oder der Schweiz als größte ausländische Übernachtungsgruppe. In Zahlen – die Deutschen stellen 14,9 % aller Touristenübernachtungen in der Türkei, fast jeden zehnten in der Schweiz, und in Norwegen immerhin 6,3 %. Was die Masse betrifft, führt Italien das Feld an: Über 65 Millionen Übernachtungen von Deutschen, Spanien folgt mit fast 55 Millionen. Ziemlich beeindruckend, wenn man bedenkt, wie viele Kilometer dabei zusammenkommen und wie viel Kaffee dabei vermutlich getrunken wird. Man kann sich auf jeden Fall nicht des Eindrucks erwehren: Das europäische Reisebetriebsklima ist deutsch geprägt. Irgendwie ein bisschen wie Spargel im April – überall präsent, aber nicht immer unumstritten.

Die neuesten Übernachtungsstatistiken zeigen deutlich: Deutschland bleibt die absolute Speerspitze, wenn es um die Reiselust in Europa geht. Besonders in Österreich und Kroatien sind Deutsche die mit Abstand häufigsten ausländischen Gäste – in manchen Ländern sogar zahlreicher als die Einheimischen selbst. Warum diese Dominanz? Offenbar spielt sowohl die geografische Nähe als auch eine gewisse Vorliebe für klassische (und sichere) Urlaubsziele eine Rolle, dazu kommen laut Branchenmedien ein starkes Sicherheitsbedürfnis und die Bereitschaft, für bewährte Qualität regelmäßig zurückzukehren. Zusätzliche Internetrecherche bestätigt die hohe Bedeutung deutscher Touristen: Das Wachstum der Reisebranche in Österreich wird etwa maßgeblich durch deutsche Gäste angetrieben. In Italien beobachten Hoteliers eine Zunahme bei Individualreisenden aus Deutschland. Aktuelle Medien berichten außerdem über ein gewachsenes Umweltbewusstsein unter deutschen Reisenden – viele achten mittlerweile auf nachhaltige Unterkünfte, auch wenn klassische Urlaubsziele nach wie vor dominieren. Ereignisse wie Streiks, gestiegene Preise oder geopolitische Unsicherheiten verunsichern, doch viele Deutsche reagieren darauf offenbar mit wachsender Flexibilität, indem sie Alternativen zu den traditionellen Zielen suchen oder kurzfristig umbuchen. So bleibt der „deutsche Stempel“ auf den Buchungslisten europäischer Hotels ein Phänomen, das sich stetig neu anpasst und weiterentwickelt.

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