Unsicherer Winter: Deutsche Gasspeicher besorgniserregend leer

Die Füllstände deutscher Gasspeicher sind auf einem historischen Tief, und Energieunternehmen haben kaum Anreize, gegenzusteuern. Für den kommenden Winter zeichnet sich ein Versorgungsrisiko ab.

heute 06:02 Uhr | 2 mal gelesen

Anfang Mai betrug der durchschnittliche Füllstand der Gasspeicher in Deutschland magere 26 Prozent – so wenig gab es zuletzt in der Energiekrise 2021/2022. Das meldet die Initiative Energien Speichern (Ines), in der sich viele Betreiber deutscher Gas- und Wasserstoffspeicher zusammengeschlossen haben. Die Lage ist paradox: Da die Großmarktpreise aktuell hoch sind, meiden die Versorger das Einspeichern aus Angst vor Verlusten – und hoffen lieber auf sinkende Preise später im Jahr. Das birgt jedoch Gefahren: Sollte der Winter kalt werden, könnten rechnerisch bis zu 20 Terawattstunden Gas fehlen, so Ines. Theoretisch ist damit sogar denkbar, dass an einzelnen Tagen mehr als ein Drittel des deutschen Gasverbrauchs schlichtweg nicht abgedeckt werden kann. Auch wenn die Händler aktuell darauf spekulieren, bis November auf 76 Prozent zu kommen, bleibt Skepsis bestehen – denn die Erfahrung zeigt, dass solche Füllgrade nur dann reichen, wenn das Wetter mitspielt. Alles also eine Wetterwette, die schiefgehen kann.

Die deutsche Gasversorgung steht vor einer kritischen Prüfung, da die Speicherstände auf einem Vierjahrestief verharren und die Wintermonate damit zu einem Unsicherheitsfaktor werden. Neben den direkten Marktmechanismen hemmen auch politische und regulatorische Unsicherheiten die Bereitschaft, frühzeitig Gas einzulagern. Vor dem Hintergrund der weiterhin fragilen internationalen Gasversorgung – insbesondere nach dem Wegfall russischer Lieferungen – gewinnt das Speicherproblem zusätzlich an Brisanz. Die aktuelle Debatte in Politik und Energiebranche dreht sich daher nicht nur um die Marktdynamik, sondern auch um die Notwendigkeit staatlicher Anreize oder Vorgaben, um die Versorgung für den kommenden Winter zu sichern. Einige Stimmen fordern auch eine Überprüfung der bisherigen Strategien im Umgang mit Energiekrisen.

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