Bafin: Fast ein Drittel der geprüften Bilanzen mit Fehlern

Die Bafin entdeckt regelmäßig Fehler in Bilanzen börsennotierter Unternehmen – und zieht damit erneut die Aufmerksamkeit auf die Qualität der Finanzberichterstattung in Deutschland.

heute 12:15 Uhr | 2 mal gelesen

Mal ehrlich, wer hätte gedacht, dass so viele große Firmen nicht sauber bilanzieren? Die Finanzaufsicht Bafin hat in den letzten Jahren 178 Geschäftsabschlüsse kritisch unter die Lupe genommen. Dabei stießen die Kontrolleure in immerhin 50 Fällen – also nahezu bei jedem dritten Unternehmen – auf teils gewichtige Mängel. Der Mann, der das im Interview mit dem 'Handelsblatt' verriet, Thorsten Pötzsch, ist als verantwortlicher Exekutivdirektor nicht unbedingt für Dramatisierung bekannt. Nach dem Wirecard-Desaster hat die Bafin übrigens das Prüfen der Bilanzen ganz auf ihren Tisch bekommen. Das war 2022. Auch jetzt stehen noch über 400 Unternehmen auf ihrer Liste – und die Fehler sind oft nicht zu unterschätzen. Zu hoch angesetzte Forderungen, zu ambitioniert bewertete Immobilien, nicht nachvollziehbare Abschreibungen auf Firmenwerte. Die Liste ist länger, als Außenstehende vielleicht erwarten würden. In manchen Lageberichten klingt die Wirtschaftslage rosiger, als sie tatsächlich ist. Was vielleicht das Bild nicht als solches stehen lässt, sondern eher wie ein Mosaik voller kleiner Ungenauigkeiten wirkt. Und auch wenn Pötzsch von 'wesentlichen' Mängeln spricht, bleibt die Frage: Ist das nur die Spitze des Eisbergs?

Die Bilanzkontrolle durch die Bafin steht nach wie vor im Fokus, besonders nach dem Wirecard-Skandal, der viel Vertrauen ins deutsche Kontrollsystem erschüttert hat. Seit dem Erwerb der alleinigen Verantwortung für Bilanzprüfungen führt die Behörde strengere und umfassendere Kontrollen durch. Die festgestellte Fehlerquote von rund 28 Prozent (50 von 178 geprüften Abschlüssen) verdeutlicht, dass trotz scharfer Regularien das Risiko für Bilanzmanipulationen hoch bleibt – die Bandbreite reicht von überbewerteten Vermögenswerten über Schönfärberei in Lageberichten bis hin zu unklaren Wertminderungen von Firmenbeteiligungen. Auffällig ist die gestiegene Zahl der Prüfungen und das Bemühen um Transparenz, wobei 60 Expertinnen und Experten für diese Aufgabe zuständig sind. Auch aus aktuellen Pressestimmen wird deutlich, dass die Bafin nach dem Wirecard-Debakel verstärkt unter Beobachtung steht, um das Vertrauen in die Märkte zu stärken. (Quellen: Handelsblatt, taz, FAZ, Süddeutsche Zeitung, DW).

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